Dies ist ein Brief an mein jüngeres Ich, in dem es um das Mensch sein – Du selbst sein geht.

Sei nicht so, wie andere dich wollen, nur weil es dir Mühe bereitet, herauszufinden, wer du wirklich bist oder weil es dir schwerfällt, so zu sein, wie du bist. Sich hinter sich selbst zu verstecken, kostet mehr Mühe als mit geradem Rücken seinen Menschen zu stehen. Wenn du Ja sagen willst, sag Ja. Wenn du aus Rücksicht dir gegenüber Nein sagen möchtest, sag Nein. Hauptsache ist, dass du dir gegenüber rücksichtsvoll bleibst.

Wenn du Lust auf etwas Neues hast, auch wenn andere derweil lieber stagnieren, dann mach das Neue allein und lass den Anderen ihren sicheren Stillstand. Wenn du Lust auf Rückzug hast, zu Hause sein willst oder Zeit mit dir verbringen möchtest, dann kuschele dich ein, sei bei dir und schenke dir diese wertvolle Ich-Zeit.

Such dir Bücher, die dich inspirieren, dir das Gefühl schenken, dass du lebst, weil es andere vor dir gab, denen es genauso ging. Lass sie dir ihre Wege vorstellen und entscheide selbst, ob so oder ähnlich deine aussehen könnten.

Lass die Anderen weiterrennen, im Kampf um Wert, Leistung, Liebe. Wenn du keine Kraft mehr hast oder es einfach leid bist, so würdige dieses Gefühl und sei dir etwas wert, ohne etwas zu leisten, toll auszusehen oder reich sein zu müssen, weil die Gesellschaft das diktiert.

Wenn du einmal nicht an deine Sorgen denken willst, deinen Kopf ausstellen willst, dann mach es. Denke nicht erst darüber nach, wann du nicht nachdenken wirst, wann du die Zeit haben wirst, einmal nicht über dein Leben nachzudenken, sondern stelle es einfach ab. Konzentriere dich auf deinen Atem, deinen Herzschlag, deine Fußsohlen, irgendeinen Körperteil und du wirst sehen, dass dir dein Geist folgt. Er folgt dir. Nicht du ihm. Er weiß das. Du darfst es lernen. Erlaube dir diese neue Erfahrung und Erkenntnis und praktiziere sie täglich, bis sie ein Automatismus geworden ist.

Atme den Kummer weg und lass ihn dort, wo er ist, mit sich allein: in deinem Kopf – wegen Menschen, die dich verletzt haben oder die du verletzt hast. Es ist Vergangenheit. Sei ein Mensch, erlaube dir Fehler und anderen dasselbe.

Je mehr du nach Perfektion strebst, fehlerfrei im Handeln und Schein, desto mehr wird dich das Außen zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Und dort herrscht ein Chaos namens Leben, gemacht aus Tiefen und Höhen, die beiderseits geschätzt werden wollen. Woher willst du wissen, ob nicht dein größtes Versagen, deine ureigenen Ängste und Sorgen dich genau dorthin führen werden, wo du sein sollst? Du kannst es nicht wissen. Kein Channeling, kein Medium, keine Tarotkarten und kein Horoskop der Welt wird dir die Zukunft vorhersagen. Genauso wenig wird dir Geld, eine Beziehung oder ein aussichtsreicher Job das zurückbringen, was du früher vermisst hast: dass du ohne ersichtlichen Grund wertvoll genug warst, einfach so, wie du bist.

Spüre in deinen Körper, das Gewicht deiner Bedenken und Ängste gegenüber deiner Zukunft, wenn es sein soll. Doch erlaube ihm eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen. Täglich. Sei die Entspannung, die du brauchst und dir so sehr wünschst. Doch wenn du lachen willst, weil es einen Grund oder weil es keinen Grund zur Freude gibt, lache und freue dich, selbst wenn andere ihre Probleme und Bedürfnisse ernster nehmen möchten. Lass ihnen ihre Sorgen und distanziere dich davon. Du bist nicht sie, nicht ihre Lösung. Du bist nicht ihr Geist. Du machst in ihren Leben rein gar nichts gut. Entweder sie handeln oder sie handeln nicht.

Wenn du Lust auf Liebe hast, dich nach Leben und Leichtigkeit sehnst, dich fallenlassen möchtest, ohne darüber nachzudenken, was wohl geschehen könnte, dann genieße den freien Fall und entdecke, welche Macht deine Gedanken haben, wenn sie die Spur wie ein Hund aufgenommen haben. Vertraue deinem Geist und Herzen, dass sie die richtigen Lösungen zur richtigen Zeit finden werden. Wenn du ihnen die Möglichkeit lässt, sich zu Wort zu melden, weil du im Geiste still geworden bist, wirst du sie hören können. Doch wenn du wie jeder andere mit Kompensationen und Ablenkungen die An-Schalter in deinem Körper nicht kurz auf Aus stellst, bleibt er mit den Ablenkungen beschäftigt. Er hat gar keine andere Wahl, als sich mit dem zu beschäftigen, womit du dich gerade beschäftigst. Er ist dir treu. Unterbrich den Strom aus ständigen Informationen, trenne jede Verbindung und gib dir die Möglichkeit, deine eigene Körperweisheit und die deines Herzens hören zu lernen.

Wenn du Bock auf richtig geiles, leckeres, aber leider viel zu kohlenhydrathaltiges oder fettiges Essen hast, dann greif zu. Scheiß auf die paar Kilos mehr. Niemanden interessiert das, nur dich – damit du dir wieder einreden kannst, dass du nur gut genug wärst, weil … In Wahrheit weißt du, welche Gedanken nützlich sind und welche nicht. Du spulst nur lieber die Anderen ab, die, die du schon Dutzende Male gedacht hast, um herauszufinden, was wohl der Grund sein könnte, dafür, dass du X nicht hast. Daran bist du gewöhnt, doch es ist nicht die Wahrheit, sondern nur eine Geschichte, die du dir erzählst.

Vergiss, was du solltest und gelernt hast, zu wollen. Wenn du lieber nur noch natürlich und clean essen willst, der ganzen Konservierungshölle entkommen möchtest, mach es einfach anders und lass die anderen mit den Augen rollen. Wenn du heulen willst, dich bemitleiden willst, mach es. Lass die Gefühle zu, die aus deinem Körper heraus wollen. Wenn sie sich schon einmal „anmelden“, dann mit Grund.

Tue nicht so, als wäre alles wunderbar und als täte nichts weh, wenn dir Menschen und Ereignisse den Boden unter den Füßen weggerissen haben. Weine und weine und lass den Schmerz der Erfahrungen aus deinem Körper entweichen. Aber sieh täglich in den Spiegel und frage dich, ob es das ist, wer du sein möchtest, wie du dich sehen willst und ob deine Tränen deine Zukunft sein sollen. Wenn du dich so nicht mehr erträgst, lass das Selbstmitleid sein, was es will. Dein wahres Ich ist etwas Anderes – wertvoller und entscheidender für deine eigene Zukunft.

Wenn du nicht an ihr arbeitest, dann arbeitet das Außen an dir – es werden Menschen sein, die dir den wenigen Respekt, den du deinem Leben gegenüber zeigst, mitten ins Gesicht drücken, ähnlich respektlos oder gar schlimmer. Auch wenn es netter dir gegenüber ist, anderen die Schuld an dem, was du verpasst hast oder was schief lief, geben zu können, weißt du genau, dass das nur die bequemere Lebensart ist: dass du hast andere entscheiden und handeln lassen, um es selbst nicht zu tun.

Wenn dir Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug!“, „Mich will sowieso niemand.“, „Für mich gibt es keinen Platz in dieser Welt.“ oder „Niemand darf merken, wie ich wirklich bin.“ in den Kopf schießen, dann feuert nur deine Vergangenheit und das, was du gelernt hast, zu glauben. Das damalige Ziel, weswegen du dich anpassen wolltest, um doch noch X zu bekommen, liegt in der Vergangenheit. Heute, heute!, ist ein völlig neuer und anderer Tag. Sei ein Mensch. Und wenn du dafür noch einen Beweis brauchst, dann schau dir deine Hände und Füße an. Siehst du keine Strippen, dann heißt das, dass du keine Puppe bist, sondern ein Mensch. Und ganz sicher ein viel wunderbarer und wertvollerer, als es dir deine Sorgen und Ängste je sagen würden.

Wieso sollten sie auch? Sie erfüllen ihre Funktion: Und hier gilt Vorsicht. Was ist mit deiner Freude, deiner Hoffnung, deinem Optimismus? Erlaubst du ihnen auch ihre Funktionen oder willst du weiterhin auf sie einschlagen und sie ihrer Aufgaben entziehen? Gibst du den Dämonen mehr Raum, richtest du ihnen in liebevoller Hingabe ein eigenes Zimmer ein, malst die Wände schön in Schwarz und bestellst noch Geister der Vergangenheit hinzu, die dich täglich heimsuchen. Du bekommst du, was du bestellst hast. Stell dir nur einmal vor, was geschehen würde, wenn du Freude, Hoffnung, Überraschung, Glauben, Optimismus ein viel größeres Zimmer einrichten würdest – als wären sie ein Neugeborenes, herzlich empfangen und so sehnlichst gewünscht. Mensch zu sein bedeutet nicht, zu seinen Ängsten zu stehen oder sie auszuhalten. Es bedeutet vielmehr, dass du erkennst, was es neben diesem Gefühl noch alles gibt: eine Fülle an anderen Gefühlen. Gefühle, die du selbst wegen und für andere stiefmütterlich behandelt hast.

Anderen Menschen sind nicht dein Geist. Sie sagen dir nicht: „Denk jetzt das!“ Sie vermitteln dir vielleicht, was sie über dich denken. Sie kennen diese Gedanken eben, genauso wie du, weil jemand in ihrem Leben genauso über sie dachte oder sie selbst diese Gedanken über sich haben. Aber ob du das denkst oder lieber bei deinen eigenen Gedanken über dich und dein Leben bleibst, entscheidest du. Das ist die ganze Wahrheit. Und sie ist so viel einfacher als alle anderen, die dir durch die Blume vermittelt wurden.

Wenn du einmal ganz ehrlich zu dir bist, wird dir wieder einfallen, wie wenig du solche Menschen leiden kannst und wie so gar nicht du solche Menschen in deinem Leben haben willst. Der Versuch, sie doch noch zu überzeugen (vom Gegenteil), dich zu beweisen, sie dazu zu bekommen, dich wertzuschätzen und zu lieben, ist nur ein wiedergekehrter Versuch von früher, dich selbst von dir und deinem Wert zu überzeugen. In Wahrheit diskutierst du nur mit dir selbst und mit den Geistern deiner Vergangenheit.

Sei der Mann, der du sein willst. Sei die Frau, die du sein willst. Bitte niemanden um Erlaubnis, der nicht in deinen Schuhen steckt und frage denjenigen auch nicht um Rat, wenn er doch gar nicht wissen kann, was es heißt, du zu sein. Erinnere dich an dich. Komm wieder in deine Kraft.

Mach Platz für dich.

Sei der Mensch, der du wirklich bist.