Es gibt Gedanken, die niemand haben sollte. Gedanken, die destruktiv, negativ und vor allem kindlich als Ursprung sind. Diese Gedanken werden Glaubensmuster genannt. Sie schalten und walten in uns, haben wir sie doch zugenüge gelernt, sei es in der Kindheit/Jugend selbst oder im späteren Leben durch unsere Erfahrungen. Sie lösen in uns leider unterlegene Gefühle der Hilflosigkeit und Unselbstständigkeit aus, schwächen unser Selbstvertrauen und sorgen dafür, dass unsere Selbstsicherheit brüchig wird oder bleibt. Je bohrender diese Muster sind, desto eher werden wir uns in ähnlichen Situationen verhalten, wie wir glauben, uns verhalten zu müssen.

Schaut man ganz aber neutral auf diese Aspekte, so sieht man, dass die negativen Glaubensmuster gegen Wachstum und gegen die Erfüllung der eigenen Ansprüche sind. Es handelt sich hier um “andere sind groß und ich bleibe klein”-Gedankengut, welches in uns operiert und für Schwierigkeiten in unserem Leben sorgt. Wie bei Eltern und ihren Kindern. Aber wir sind erwachsen. So kannst du dich verhalten und so sollten sich auch andere dir gegenüber verhalten.

Wenn du für eine gesunde und sichere Basis in deinem Leben sorgen möchtest, musst du zwangsläufig für dich sorgen. Selbstfürsorge, heute oft auch mit Selbstliebe und Achtsamkeit gleichgesetzt, heißt sowohl selbst für etwas zu sorgen, als auch achtsam mit anderen umzugehen. Beides sind wichtige Pfeiler im Umgang mit dir und anderen. Wenn du achtsam andere Menschen beobachtest, siehst du eventuell auch, wie wenig sie dich achten oder aber du siehst, wie wenig du für dich selbst sorgst. Allein diese Änderung des Blickwinkels kann dafür sorgen, dass du liebevoller mit dir umgehst und selbstzerstörerische Glaubensmuster ab sofort ignorierst.

 

7 selbstzerstörerische Glaubensmuster

Destruktive Gedanken, die eliminiert werden müssen

1) Wenn ich kritisiert werde, habe ich etwas falsch gemacht.

Veto. Weshalb?

Weil du a) richtig bist, so wie du bist und b) der andere, der dich kritisiert hat, handfeste Gründe benötigt, die du prüfst, bevor du ihm Glauben schenkst. Ein Tipp von mir: Wenn du das nächste Mal kritisiert wirst, frage den Kritiker: Was hätte ich in Ihren Augen besser machen können/sollen? Wie hätten Sie die Situation gemeistert? Was genau ist die Basis Ihrer Kritik? Meist werden hier keine Antworten oder Ausreden folgen oder aber Aspekte erwähnt, die so vorher unklar artikuliert wurden. Falls handfeste Argumente kommen, siehe Punkt 2.

In den überwiegenden Fällen – und Menschen sind nun einmal oft unfair und hart im Erkennen fremder Fehler – hat die Kritik mehr mit dem anderen zu tun, als mit dir. Hätte der Kritiker es besser machen können als du? Was meinst du? Oder ist es vielleicht sogar so, dass derjenige ganz froh darüber ist, dass er es nicht machen musste und nicht das Gefühl in sich trägt, etwas falsch gemacht zu haben? Wir spiegeln häufig eigene Glaubensmuster auf die anderen Menschen nieder, nur um sie nicht selbst fühlen zu müssen. Wir erkennen daran auch, wie wir uns verhalten würden oder sollten. Jemand, der zum Beispiel sieht, dass in einer Leistung nicht 100% gegeben wurden oder Fehler passierten, sie zwar erwähnt, aber ohne zu tadeln, dient als Vorbild für dich. Jemand, der dich herunterzieht und dir das Gefühl der Wertlosigkeit und des Versagens gibt, ist ein negatives Beispiel und spiegelt deine innere Einstellung gegenüber Fehlern wider. Erkenne also dein Glaubensmuster und greife ein. Schenke den positiven Stimmen in dir Gehör. Höre wie sie sagen: “Ja, okay. Mag jetzt nicht das Nonplusultra gewesen zu sein, aber weißt du was? Was soll’s!? Toll, dass du es doch probiert hast.”

2) Wenn ich keine Anerkennung und Lob für etwas bekomme, dann war meine Leistung unzureichend.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das eine Projektion des anderen ist, ist groß. Projektion bedeutet, dass derjenige sich selbst für unzureichend sieht und dir dieses Gefühl an sich als Gefühl (ohne Bezug auf ihn) zeigt. Du siehst die Erwartungen des anderen dann an dir und du hast versucht, diesen gerecht zu werden. Das ist echt nett von dir, aber völlig gegen dich und damit unnötig.

Frage dich: Wie hoch war die Chance, dass du die Fremdansprüche erfüllen konntest? Weshalb genau hast du versucht, sie zu erfüllen? Hast du nur versucht, nicht negativ aufzufallen? Gibt es Tendenzen in dir, ein leises Stimmchen, was dir flüstert: “Scheiß drauf! Ich will seine/ihre Ansprüche gar nicht erfüllen!”? Falls du dennoch denkst: Ja, ich wollte sie erfüllen und ich habe mich wirklich nicht genug angestrengt und Fehler gemacht, die meine Leistung abschwächten, frage dich: Hast du dein Bestes gegeben? Was war dein Bestes? Wie hätte das ausgesehen?

Realisiere, dass jede Situation eine neue Grundlage zum Lernen und zur Weiterentwicklung ist. Nur weil du eventuell hier einige Aspekte übersehen hast, heißt es trotzdem, dass du sie beim nächsten Mal beachten kannst. Frage dich außerdem: Gab es Gründe, dass du eventuell nicht deine volle Leistung erbringen konntest, zum Beispiel wenig Schlaf, schlechte Konzentration, Schwierigkeiten in einem Lebensbereich? Erkenne, dass du nur ein Mensch bist und ein eigenes Leben hast, was immer Priorität hat. Immer.

3) Nur wenn ich zu 100 Prozent sicher sein kann, dass das Ergebnis positiv sein wird, werde ich handeln.

Die Angst vor der Angst. Die Angst vor Verlust. Die Angst vor Trennung. Die Angst, nicht zu genügen und unliebenswert zu sein, anzuecken, aufzufallen, sich wertlos zu fühlen, hilflos und vor allem “klein”. Es gibt keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, der Dinge mit Sicherheit sehen kann. Es kann gut gehen oder schlecht. Oder es ist ein Dazwischen, das Graue zwischen Schwarz und Weiß, was wir übersehen.

Und hinzu kommt ein toller Aspekt, den wir alle oft vergessen: Falls es in eine Richtung liefe, die dir widerspricht, dann handele so, dass es deine Erwartungen erfüllt. Man kann dagegensteuern und auf neuen Wegen gehen, zu neuen Zielen. Höre nicht auf, nach deinen Zielen zu suchen. Es ist wie die Liebe: Wenn du hier nicht gewinnst, dann suche woanders weiter. Suche immer weiter, bis du gefunden hast, was du dir wünschst. Nur an den vermeintlichen Niederlagen erkennst du, ob etwas richtig oder falsch für dich war. Du kannst daran sehen, was du dir wünscht, was weg muss, um deine Ziele neu auszurichten. Stecke dir neue Ziele und definiere neue Wege. Suche aktiv danach. Sieh’ das Positive im vermeintlich Negativen. Warte nicht darauf, dass das Glück an deine Tür klopft. Handele für dich.

4) Andere haben Schuld daran, dass etwas in meinem Leben nicht so lief, wie ich es mir gewünscht hätte.

Leider nein. Es bist du selbst. So prima es auch wäre, jemand anderen die Schuld, also die Verantwortung für Missgeschicke oder Negatives zu übertragen, so leichtfertig ist es auch. Derjenige kann es nicht tragen. Du bist im Mindestens eigens verantwortlich für deine Gedanken zu allem, was dir geschah und auch für alles, was dir nicht geschieht. Das schließt natürlich höhere Gewalt aus. Wenn du aber in einer Beziehung bleibst, in der du unzufrieden bist oder sogar nebensächlich erscheinst, dann ist es deine Entscheidung, ob du bleibst oder gehst. Wenn du einen Job machst, der dich krank macht, dann ist es deine Verantwortung, ob du dir einen neuen suchst oder den alten behälst. Auch ohne sich gleich zu trennen, kann man für Veränderungen sorgen. Proaktiv ist hier das Zauberwort, was den entscheidenen Unterschied ausmachen könnte.

5) Andere sind mir (weit) überlegen. Ich habe kein Mitspracherecht. Ich sollte/muss mich fügen.

In Bezug auf dein eigenes Leben und deinen Werdegang, deine Entwicklung und deine Erfüllung von Wünschen und Träumen hast du das volle Recht. Es liegt allein bei dir. Du bist der Entscheider und du bist der einzige Mensch, der anderen erlauben könnte, dass du dein Recht auf Selbstbestimmung aus den Händen gibst. Falls du das tust und dich plötzlich in einer fremdbestimmten Situation wiederfindest, dich als Opfer der Umstände fühlst, bitte ich dich, dich daran zu erinnern, dass du – wie Panik es macht – fliehen kannst. Schnell so wie bei Panikattacken oder ganz ruhig und bedächtig. Aber das Recht auf dein Leben liegt bei dir. Ja, leider bringt das oft die Konsequenz des “Alleingangs” mit sich, dennoch wird sich dieser Alleingang lohnen. Er wird dir bringen, was du verdienst. Traue dich, alle deine Gefühle zu spüren und sie als teil von dir anzunehmen. So unliebsam sie auch sehen. So unlebenswert wie sie dir auch erscheinen. Je mehr du das Negative lernst zu verstehen und anzunehmen, desto mehr wird sich das Positive im Sack in den Vordergrund drängeln.

6) Trennungen und Verluste von Freunden und Partner bedeuten, dass ich nicht liebenswürdig bin und nicht gut genug.

Ein schmerzhaftes und kaum positiv zu betrachtendes Thema. Ich versuche es trotzdem:

Erinnere dich daran, wie traurig du warst, als deine erste große Liebe zerbrach. Du dachtest sicher, dass du nie wieder lieben würdest und nie wieder jemanden fändest, der dich so liebt, so sieht wie du wirklich bist. Und dann – einige Zeit später – passierte es, dass du jemanden anderen kennenlerntest, der dir noch schönere und noch größere Gefühle schenkte.

So ist es mit Freundschaften und mit Beziehungen. Sie kommen und gehen. Einige davon waren von Anfang an nur für einen gewissen Zeitraum bestimmt. Andere davon nur dafür, dass du etwas Wichtiges erkennst: am Leben, an dir. Sei dir gewiss: Du bist liebenswürdig. Du bist gut. Und du bist genug. Wenn du dich traust, dazu zu stehen, wie du bist. Solltest du natürlich hintenrum schalten und walten und dich verstellen, dann kann es gut und gern geschehen, dass das Wahre an dir entdeckt würde und du als Täuschung betrachtet wirst. Aber nicht zu dir zu stehen und dein wahres Ich zu verleugnen, ist bereits eine Täuschung deiner selbst. Ent-täusche dich. Ent-täusche alle anderen. Wage es, du selbst zu sein.

Dass andere sich andere Ziele setzten und dich verließen, sagt auch viel über ihre Ziele aus. Sie dürfen andere Ziele haben, so wie du. Lasse die Anhaftung los und erinnere dich an deine Ziele. Beginne erneut, jeden Tag auf’s Neue, mit den Schritten in deine Richtung, hin zu deinen Zielen.

7) Ich darf nur Freude und Erfolg genießen, wenn die Erlaubnis dafür erhalte, sonst kehrt es sich ins Negative um.

Käse. Aber ich kenne das selbst von mir: Man möchte niemanden verletzen, besonders wenn es liebgewonne Menschen sind, denen es gerade schlecht geht oder denen ein Mangel in ihrem Leben zu schaffen macht. Was hast du damit zu tun? Sehr wahrscheinlich nichts.

Du hast das Recht darauf, dass es dir gut geht und du alles Gute in deinem Leben voll auskosten darfst. Wie oft ist es dir passiert, dass es dir schlecht ging? Und nun könnte es dir besser gehen. Nun könnte das Gute gelebt werden, auch wenn es anderen schlecht geht. Natürlich sage ich nicht, dass du deine Erfolge anderen um die Ohren hauen sollst, ganz unsensibel und verletzend, andere ignorieren solltest und nur noch ununterbrochen von deinem tollen Leben oder deinen großen Erfolgen berichten solltest. Mir geht es hier nicht um Ignoranz, sondern um das Recht, sein Glück spüren und leben und zeigen zu dürfen.

Aber Gefühle sollten geteilt werden und jeder muss lernen, mit Tiefpunkten in seinem Leben umzugehen und dafür die Höhepunkte voll auszukosten. Mit engen Freunden oder Familienmitgliedern kann man darüber reden. Man kann ihnen Verständnis entgegenbringen und dennoch seine Sonne genießen. Mitleiden und Mitfühlen sind verschiedene Schuhe. Erkenne den Unterschied.

Soviel zu den 7 selbstverletzenden Glaubensmustern.  Lange Rede, kurzer Sinn: Hier sind einige Korrekturvorschläge von mir, die als neue Leitsätze und Glaubensmuster in dein Leben Einzug finden könnten. Die lassen sich ergänzen und nach Belieben abändern. Feel free!

 

7 neue Glaubensmuster und Gedanken, die wirklich-wirklich wahr sind

  • Wenn ich die Anforderungen eines anderen nicht erfülle, sagt das nichts über den Wert meiner Leistung aus, sondern über die Ansprüche des anderen Menschen.
  • Ich bin immer ausreichend. Ich bin genug.
  • Nichts lässt sich steuern oder mit Sicherheit kontrollieren. Ich bin offen für alle Entwicklungen und werde Lösungen für alle Schwierigkeiten finden, falls sich denn welche ergeben sollten.
  • Ich bin verantwortlich für alles in meinem Leben, auch für das, die ich nicht tue oder sage.
  • So wie ich bin, bin ich gut. So wie andere sind, sind sie gut. Auch wenn ich mich nicht mit ihnen verstehe oder sie sich nicht mit mir. Jeder versucht sein Bestes.
  • Hinter Trennungen und Verlusten steht ein Ziel, dass ich (noch) nicht sehe. Sie dienen meinem Wachstum. Ich darf trauern, wenn ich verletzt bin.
  • Ich darf alle meine Gefühle ausleben und genießen. Ich entscheide über meine Freude und meine Angst. Kein anderer, nur ich entscheide.

Fehlt hier etwas in deinem Augen? Ich bin gespannt! Lass’ es mich wissen.
Welche neuen Gedanken und Glaubensmuster fallen dir noch ein?

Liebe Grüße
Janett

Janett