Quellen der Angst

Unsere Gesellschaft mit ihrem Nutz- und Kostendenken allein ist eine pure Quelle der Angst. Die Medien sind gefüttert mit Angst, ja transportieren sie quasi über die Mattscheiben hinweg direkt in unsere Köpfe. Unser Leben, wie wir es zu führen haben – ganz sozialkonform – hat starre und klare Strukturen, denen zu folgen ist: Bildung, Karriere, perfekter Partner, anständige Beziehung, Familienplanung und -umsetzung, vielleicht Eigentum, während man in seinem gut bezahlten Job alles kann, alles muss, alles will – und einem nichts etwas anhaben kann. Betrachten wir nur einmal gleichgeschlechtliche Beziehungen, die bei vielen Menschen Angst auslösen. Dasselbe gilt auch für Personen mit Migrationshintergründen, die in zu vielen Köpfen Angst hervorrufen. Die Menschen, die aus dem System aussteigen und als Nomaden durch die Welt ziehen oder ihre Freiheit anders erzwingen, werden von vielen zutiefst für ihren Mut bewundert. Das alles gepaart mit der Realität, die heutzutage ohnehin schon unsicher genug ist: drohende Arbeitslosigkeiten, das Rede- und Meinungsverbot in zu vielen Umfeldern, Gewalt, Krankheiten, Stress durch Überforderung und zu hohe/zu viele Ansprüche, denen man gerecht werden möchte.

Glück ist eine Sisyphusarbeit

Dass dieses Streben in seiner Natur totaler Quatsch ist und wir einer luftleeren, steifen Perfektion aus perfidem Wollen und Sollen hinterherhechten, die, wie Peter Schellenbaum es benannte, nur eine unbewusste, von uns selbst gewollte und zum Scheitern verurteilte, “Sisyphusarbeit” ist, ist klar. Wir haben Polaritäten wie schwarz und weiß, heiß und kalt, leicht und schwer, oben und unten, physikalische Gesetze usw. Alles Gute birgt auch etwas Schlechtes. Alles Schlechte hat auch etwas Gute. Wozu sind wir Mensch ohne gottgleiche Kräfte, wenn nicht dafür, weiter an einem von uns selbst angelegtem Lebensplan zu arbeiten, der natürlich – so wie Freude und Überraschung – auch Angst bergen wird? Hast du einen Plan für dich? Kannst du ihn erreichen? Ist er realistisch oder eher eine wilde Träumerei? Sind deine Träume erfüllbar?

Der Weg dahin kann steinig sein… Auch dieser Blog hier hat sicher einen langen und steinigen Weg vor sich, bis er alle Menschen erreicht hat, die wissen müssen, dass es zu vielen so geht wie ihnen.

Bei manchen Leuten sind es kleine Kieselsteine, die im Weg liegen, bei anderen wiederum sind es Hügel oder Berge oder gar Gebirge. Das hängt ganz davon ab, wie oft und wie lange man versucht hat, seine Angst zu unterdrücken und was sie dann doch hervorrief. Mitunter schien mir Angst in ihrem Auftauchen oft, als sei sie jetzt erst recht da, weil ich so sehr wollte, dass sie geht. Mir war, als würde sie anfangs leise flüstern: “Janett, ich bleibe noch etwas, ok?” Wollte ich natürlich nicht. Brauche ich nicht, also weg damit! Dann später wurde ihre Stimme lauter: “Ich sagte, ich bleibe, solange bis du mich endlich verstehst!” Und irgendwann war es nur noch Gebrüll: “Es reicht! Du willst mich nicht anerkennen? Na dann, pass mal gut auf!”

Angst ist zu UNSEREM Besten da

Sie kann uns sogar zu Höchstleistungen antreiben oder aber uns lähmen. Sie existiert nämlich als evolutionsbedingtes Gefahrensignal. Zur Erinnerung: In Verbindung mit Duck-, Ausweich- oder Fluchtimpulsen bestand sie anno dazumal, um den Menschen bei der Jagd, bei einem Angriff oder Ähnlichem vor Verletzungen oder gar dem Tod zu schützen.

Macht man sich bewusst, dass dieser Ursprung auch noch heute in uns schlummert, kann man seine Angst in oder vor bestimmten Situationen sehr viel besser einordnen: Wir bekommen Angst, weil wir mit eventuellen/potenziellen Verletzungen oder dem Tod Auge in Auge sehen. In wirklichen körperlichen Gefahrensituationen stimmt das – in unseren normalen Angstmomenten (bei Prüfungen, Aussprechen seiner Meinung, Trennungen, beim Fliegen, in geschlossenen oder weiten Räumen sein, Alleinsein, Nichtalleinsein….) besteht keine Gefahr. Aber wir können das durchaus so wahrnehmen.

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden…

Es ist das, was wir denken, was gefährlich sein/werden könnte, wenn a Quadrat + b Quadrat nicht – wie angestrebt – c Quadrat ergibt. “Was wäre, wenn…” “Aber…” “Ich kann doch nicht…” “Das macht man doch nicht…” Wir sorgen uns zuviel. Wenn man das zu lange macht, sorgen wir uns irgendwann auch, dass wir wieder Angst bekommen. Angst vor der Angst, in Panik auszubrechen. Der Redewendung, jemand/etwas macht einem Angst, bedeutet ja schlichtweg Passivität. Jemand schafft in uns aktiv Angst, meinen wir, während wir – die Opfer – tatenlos zusehen und es demjenigen oder der Situation erlauben: natürlich ohne einzugreifen, ohne Stop zu sagen, ohne aufzustehen und zu gehen, ohne zu brüllen, ohne seine eigene Meinung ruhig darzulegen, ohne – uns. Es sind also unsere Gedanken an Gestern und Morgen in Verbindung mit Zielen, die uns das Fürchten lernen, Angst machen. Am schlimmsten dabei ist:

Sind es wirklich unsere eigenen Ziele? Wie viele von den Zielen, die du gerade verfolgst, sind wirklich deine und wie viele sind welche, die du übernommen hast?

Kannst du deine Angst von der Angst der anderen unterscheiden?