Obwohl sie nicht offiziell als psychische Störung anerkannt ist, ist die hochfunktionale Angst eine psychische Belastung, die durch wiederkehrende und/oder anhaltende Angstsymptome gekennzeichnet ist. Diese aber hindern die Person nicht daran, in ihrem öffentlichen Leben erfolgreich zu sein. Obwohl die Person in einigen Bereichen erfolgreich sein kann, erlebt sie privat immer wieder Sorgen, Stress und Anspannung, die wir von Angststörungen kennen.

 

Was ist hochfunktionale Angst (im Englischen auch hochgradige Funktionsangst genannt)?

Es wird kaum oder keinen Psychiater/Psychologen/Therapeuten geben, der die Diagnose “hochfunktionale Angst” oder “hochgradige Funktionsangst” stellen würde, da dieser Zustand nicht im Handbuch Psychischer Störungen (DSM-V) aufgeführt ist. Im Allgemeinen beschreibt der Begriff “hochfunktionale/hochfunktionierende Angst” entweder

1) eine Person mit leichten Angstsymptomen, die derzeit keine nennenswerten Auswirkungen auf ihr Leben hat
2) typische Stress- und Sorgensymptome, die von einer Person fälschlicherweise als Anzeichen einer Angststörung gedeutet werden.

Obwohl es sich bei der Funktionsangst nicht um eine formale psychiatrische Diagnose handelt, weist sie einige Gemeinsamkeiten mit anderen Angststörungen auf. Anstatt die hochfunktionale Angst als eigenständige Störung zu betrachten, geht man davon aus, dass ein kleiner Prozentsatz der betroffenen Menschen jeder Störung hochfunktional ist. Bei dieser Sichtweise kann es also Menschen geben mit

  • hochfunktionalen Phobien
  • hochfunktionalen sozialen Ängsten
  • hochfunktionale Panikstörung
  • hochfunktionale Agoraphobie
  • hochfunktionalen generalisierten Ängsten

Jemand mit einer schweren Form der sozialen Phobie findet es unerträglich, mit Menschen in einem sozialen Umfeld zu interagieren, und der bloße Gedanke, auf eine Party zu gehen, erscheint ihm unmöglich. Eine Person mit hochgradig ausgeprägter Sozialphobie kann möglicherweise an einer Party teilnehmen und sich unter die anderen Gäste mischen. Man könnte sogar einen guten Eindruck auf andere machen, da die Symptome keine sichtbaren Angstsymptome hervorrufen. Die ganze Zeit über erlebt die Person dennoch Angstsymptome und wird sich bis zum Ende der Party ausgelaugt fühlen.

Diese hochfunktionale Angst kann es der Person also ermöglichen, eine Ausbildung/ein Studium zu absolvieren, zur Arbeit zu gehen, ihren alltäglichen Pflichten nachzukommen. Aber es wird große Anstrengungen und Belastungen für sie mitbringen.

 

Symptome hochfunktionaler Angstzustände

Zu den Symptomen gehören eine Reihe von geistigen, körperlichen und emotionalen Auswirkungen, die die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen einer Person beeinflussen. Da es aber viele Symptome wegen vieler Angststörungen gibt, müssen nicht alle Betroffenen hochfunktionaler Angst die gleichen Erfahrungen machen. Zu den häufigsten körperlichen Symptomen gehören laut National Institute of Mental Health

  • übermäßige Müdigkeit und leichte Ermüdung
  • körperliche Anspannung (mit angespannten Muskeln)
  • Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen
  • Veränderungen der Herzfrequenz mit starkem Herzklopfen und -rasen, pochendem (im Ohr hörbarem) Herzschlag und schnellem Puls
  • vermehrtes Schwitzen
  • zittriges Gefühl
  • Unfähigkeit, still zu sitzen (zappeln)

Zusätzlich zu den körperlichen Anzeichen und Symptomen gibt es verschiedene emotionale Symptome:

  • übermäßige Ängste oder Sorgen
  • Gefühl der Unruhe oder Nervosität
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder dass etwas Schreckliches passieren wird
  • Konzentrations- oder Erinnerungsschwierigkeiten
  • intensive Angst in Verbindung mit (bestimmten) Menschen, Orten oder Dingen

Diese Symptome trifft man bei Angststörungen häufig an. Bei Menschen mit hochfunktionaler Angst treten die Symptome möglicherweise nicht so oft oder intensiv auf. Einigen Menschen mit hochfunktionalen Ängsten wird zwar eine psychische Erkrankung diagnostiziert, während andere keine “bedenklichen” Symptome haben, die Kriterien für eine Störung erfüllen.

Außenstehende erkennen oft die körperlichen oder emotionalen Symptome der hochfunktionalen Angst nicht. Doch einige Verhaltenssymptome lassen sich identifizieren:

  • sich lieber drinnen aufhalten oder von Menschenmengen fernhalten
  • Bedürfnis nach Kontrolle über Situationen und/oder Entscheidungen
  • starker Drang, an einer Sache/Projekt/Ziel zu arbeiten, bis sie vollendet/Ziel erreicht ist
  • starke perfektionistische Züge
  • spät ins Bett gehen oder früh aufstehen, z. B. um Projekte abzuschließen
  • unzufriedenes oder ärgervolles Auftreten, wenn andere zu helfen versuchen oder sich vermeintlich “einmischen”

Menschen mit hochfunktionaler Angst zeigen selten bis keine äußeren Symptome. Selbst auf Freunde oder Familienmitglieder wirken sie wie glückliche, völlig gesunde Personen, die zu großen Leistungen fähig sind. Deshalb werden sie oft als sehr diszipliniert, schlau, motiviert, getrieben, leidenschaftlich, ambitioniert, außergewöhnlich usw. beschrieben. Auch viele hochintelligente bzw. hochbegabte Menschen mit Ängsten sowie immer mehr Studenten mit einem hohem Leistungs- und Erfolgsdruck sind betroffen.

 

Wie es sich anfühlt, mit hochfunktionalen Ängsten zu leben

Im Allgemeinen ist jede Form von Angst eine der unangenehmsten Erfahrungen. Jeder Tag ist eine große Herausforderung.

Menschen mit hochfunktionalen Ängsten müssen nicht nur die täglichen Kämpfe bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause bewältigen, sondern auch mit ihren Angstsymptomen zurechtkommen. Sorgen, körperliche Anspannung, Ungewissheit, Panikattacken, Stress und andere Anzeichen von Angst treten regelmäßig auf. Nur dass diese Betroffenen zudem oft das Gefühl haben, ihr Zustand müsse ein Geheimnis bleiben, um nicht ihr Gesicht zu verlieren.

Ich habe auch von vielen Betroffenen gehört, dass selbst Ärzte oder engste Freunde ihnen nicht glaubten. “Es läuft doch alles gut”, “Dein Leben ist doch wunderbar”, “Anderen geht es viel schlechter”. Eben weil Betroffene gelernt haben, ihre Ängste zu verbergen, nie darüber reden/geredet haben, erscheinen sie symptom-, sorgen- und angstfrei. Hin und wieder wurden sie von Ärzten als “nur” arbeitsunwillig oder als Simulanten “abgestempelt”, öfter aber erschienen ihre Symptome lediglich wie Stress oder Anzeichen einer Überforderung.

Maria, eine Betroffene, (Name geändert) beschreibt ihre hochfunktionale Angst wie folgt:

“Ich will allen Menschen gefallen, um mir ein Umfeld zu schaffen, in dem ich mich sicher und weniger ängstlich fühle. Ich ertrage lange Zeiträume harter Arbeit, erlebe dann ein Burnout und schiebe alles auf. Ich denke zu viel darüber nach, dass ich nicht “genug” tue, oder ich habe Angst zu versagen. Schlechter Schlaf – ich schlafe nicht genug Stunden, wache auf und kann nicht wieder einschlafen oder habe Probleme einzuschlafen. Rasende Gedanken, die es mir schwer machen, mich zu entspannen, übermäßig viel zu tun, weil ich Angst habe, nein zu sagen. Ich benutze Alkohol und andere Substanzen, um damit fertig zu werden. Meine Angst, nicht mein Ehrgeiz, treibt mich an, Aufgaben zu erledigen. Ich scheine alles im Griff zu haben, aber innerlich habe ich zu kämpfen. Wenn meine Routine unterbrochen wird, werde ich wütend.”

Wie sind deine Erfahrungen mit hochfunktionaler Angst?

 

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Potenzial- und Strategieentwicklung im Bereich: Hochbegabung bei Frauen, Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen - erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung & spätes Self-Parenting (Selbsterziehung), Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

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