Sich einen Brief an das jüngere Ich zu schreiben, ist ein wertvolles Tool der Selbsthilfe. Es nährt die Selbsterkenntnis, die Verarbeitung von aktuellem und noch immer präsentem Schmerz, besonders wegen Ereignissen in der Vergangenheit. Es fördert vor allem die Akzeptanz: deines Ichs und deiner Vergangenheit. Eben deshalb nennt man solche Übungen Schreibtherapie. Wissenschaftliche Erkenntnisse (Studienergebnisse) dazu findest du im Artikel Warum Schreiben das Selbstwertgefühl stärkt und Ängste lindert.

Doch heute soll es einmal nicht um die Wissenschaft dahinter gehen, sondern um die Erfahrung. Als Schreibtherapeutin gebe ich dir gern ein Beispiel aus meiner eigenen Schreibtherapie: 

 

Brief an mein jüngeres Ich

Ich schreibe dir aus der Zukunft einen Brief, der dich erleichtern und beruhigen soll.

Ich weiß, machmal lief es nicht so gut: Nicht so, wie du es dir gewünscht hattest, dass du vieles anders gewollt hast und dass du das eine oder andere Wort bereust. Was du getan und nicht getan hast, all deine ungelebten Träume: Du kannst sie nachholen. Dir bleibt genug Zeit.

Mach’ dir keine Sorgen über das, was du verloren glaubst, um Konsequenzen oder Fehler, um das, was andere bewegt. Jeder Weg, den du beschreitest, führt dich zu anderen Ecken deines Leben, wird dich Neues entdecken lassen und dir erlauben, dich noch tiefer kennenzulernen. Es werden wertvolle Erfahrungen und Lektionen sein. Wisse sie zu schätzen. Ich, heute, 10 Jahre später, muss darüber lächeln, wenn ich an all die Erlebnisse zurückdenke. Ich bin dankbar für jeden vermeintlich falschen Schritt. Ich möchte deshalb, dass du weißt, dass sich alles fügen wird.

Egal, welchen Weg du wählst, er bringt dich ans Ziel. Wir sind in meiner Zeit bereits dort angekommen und haben alles, was du noch vermisst. Du bist schon auf dem richtigen Pfad. Gehe ihn einfach unbeirrbar weiter und hab’ Vertrauen. Deine Zeit wird kommen.

Bis dahin: Bitte zweifele nicht so viel. Verschwende deine Zeit nicht an die Gedanken anderer Menschen. Bleiben werden die, die dich ohnehin schon lieben. Ich kann dir verraten, in deiner Zukunft wird es mehr davon geben. Dafür werden jene weniger, die schlechte Absichten hegen und dich benutzen. Es werden sich noch einige von dir trennen. Lass sie ziehen. Denk’ nicht darüber nach, ob es richtig ist oder falsch. Bleib’ einfach bei dir.

In ein paar Jahren wird dir eines Morgens die wichtigste Erkenntnis in den Sinn kommen. Ich hätte sie fast nicht erkannt, wäre ich nicht gezwungen gewesen, durch Krankheit und viel Negatives in unserem Leben hinzuschauen. Ich will, dass du sie bereits jetzt weißt, um dir wertvolle Zeit und viele Sorgen zu ersparen:

Wenn du erst einmal herausgefunden hast, wer du bist und wer du sein möchtest, gibt es nichts und niemanden mehr, der dich verletzen kann. Deshalb sorge gut für dich und wertschätze deine Visionen. Heilige sie, denn sie werden dich über alles Kummervolle hinwegtragen und dich selbst dann nähren, wenn du glaubst, emotional zu verhungern. Steh’ hinter dir und dem, was in dir nach Ausdruck schreit. Trenn’ dich, wenn nötig, von Menschen, die deine Ideale und Werte nicht teilen. Geh’ an jenen vorbei, die deine Träume missachten oder dich daran hindern wollen, sie zu verwirklichen. Lass dich nicht aufhalten, weil es für andere unbequem werden könnte.

Tue dir Gutes, wenn du es brauchst.

Und tue es täglich.

In Liebe,
dein 10 Jahre älteres Ich

 

Hilf dir selbst und schreibe dir einen Brief an dein jüngeres Ich

Probiere es selbst einmal aus. Du brauchst nicht viel, nur eine ruhige Umgebung, etwas Zeit, Zettel und Stift.

  • Was würdest du deinem jüngeren Ich mitteilen wollen?
  • Wovor würdest du es warnen?
  • Was würdest du aus aktueller Sicht anders machen, wenn du noch einmal die Chance dazu hättest?
  • Was bereust du, getan oder nicht getan zu haben?
  • Was hast du richtig und was falsch eingeschätzt?

Schreibe einfach drauf los. Achte weder auf Perfektion noch auf Rechtschreibung und Grammatik. Gib dich dem Flow hin und lass kommen, was raus möchte und freiwillig hochkommt.

Viel Spaß wünsche ich dir,
Janett Menzel

Janett Menzel Angst Blog