Menschen Vertrauen zu schenken, nicht gleich das Schlimmste anzunehmen, sondern das Gute zu erwarten, fällt vielen schwer, die herbe Enttäuschungen erlebt haben. Um zu verhindern, dass sich die verletzenden Erlebnisse wiederholen, glauben wir, uns schützen zu müssen: durch Rückzug, Isolation, Masken tragen, selbst verletzen, Verachtung, Groll, Frust. Traurigkeit, die wir in uns hineinfressen. Angst, die uns schon lähmt, noch bevor etwas Vergleichbares geschehen ist. Ein schweres Kreuz, das wir freiwillig tragen, aus Angst, wieder verletzt oder allein gelassen zu werden, ungewollt zu sein.

Wie du wieder neu vertrauen lernen und in deine Zukunft vertrauen kannst:

 

Wie du dir und anderen Menschen wieder vertrauen lernen kannst

neu vertrauen schöpfenWer schon einmal stark verletzt wurde, trägt Wunden davon. Diese Wunden, insofern man sie nicht geheilt hat, sorgen dafür, dass wir Menschen grundsätzlich oder von vornherein misstrauen, nur langsam Vertrauen aufbauen oder uns selbst wenig zutrauen. Wir sind nun einmal Menschen und Menschen – wie alle Wesen – sind verletzlich.

Es ist egal, ob die Enttäuschungen in einer Partnerschaft geschahen und sich deshalb Beziehungsangst manifestiert hat. Vielleicht empfindest du dich auch als sehr sensibel (oder hochsensibel) und kommst nur schwer mit Kritik oder Ablehnung zurecht (wer nicht?). Oder es ist der Job, in dem du mit Kollegen und Vorgesetzten zu tun hast, die nur an sich denken, statt an das Gemeinschaftswohl. Aber vielleicht waren es auch deine eigenen Handlungen oder Nicht-Handlungen, die auf dir lasten, die du dir nicht verzeihen kannst. Vielleicht hättest du etwas anders machen wollen oder für dich einstehen müssen.

Was dazu führte, dass du verletzt wurdest, ist das eine. Etwas anderes ist es, wie du mit der Konsequenz und deinen Gefühlen, Gedanken und Bewertungen jetzt umgehst. Sie entscheiden darüber, ob du dich für ein neues Glück öffnen kannst oder weiterhin aus Angst verschlossen bleibst. Du kannst hier und jetzt entscheiden, dass die Vergangenheit vergangen ist. Das bedeutet nicht, dass du den damit verbundenen Schmerz einfach ignorieren oder verdrängen sollst. Aber wir können alle beschließen – einfach so -, dass wir das Kreuz lange genug getragen haben und eine Zukunft vor uns liegt, die wir aktiv gestalten können. Wie deine  aussehen wird, ist teilweise von dir allein abhängig. Nur ein kleiner Teil – nenne ihn Zufall, nenne ihn Bestimmung – wird außerhalb deines Handlungsfeldes liegen. So unberechenbar dieser auch erscheinen mag, man kann lernen, sich in sich selbst zu festigen, um gegen diese Stürme gewappnet zu sein … falls sie überhaupt kommen.

 

10 Wege, um dir und anderen wieder vertrauen zu können

Vertrauen kann man lernen. Die folgenden neun Impulse speisen sich aus jahrelangen Versuchen, mit meinen eigenen Verletzungen zurechtzukommen und nicht das Vertrauen in Menschen, dem Leben, der Welt und mich zu verlieren. Vieles davon klingt leicht. Aber dahinter steckt eine “Arbeit”, die wir alle für UNS leisten müssen, wenn wir wieder schmerzfrei und angstfrei leben möchten. Nur man selbst kann das für sich tun, auch wenn es guttut, Menschen an seiner Seite zu haben, die einen währenddessen unterstützen. Die gute Nachricht ist: Wir entscheiden, ob und welchen Weg wir wählen.

 

1. Lass die Handlungen anderer nicht zu deinem Schicksal werden

vertrauen in sich, die welt und das Leben schöpfenEgal, was jemand tut bzw. nicht tut: Er hat seine eigenen Motive, so wie wir alle unsere Motive haben. Während der eine sich Gedanken über die Konsequenzen seiner Taten für andere macht, handeln andere einfach aus dem Bauch heraus oder meinen keine negativen Auswirkungen zu erkennen. Nicht alles, was geschieht, geschieht bewusst verletzend. Doch oftmals sieht es so aus oder wir können uns keinen anderen Reim auf ein Verhalten machen.

Sollten wir uns deshalb durch andere am Leben hindern lassen? Wir sind stets fähig, uns zurückzuziehen und abzugrenzen, statt uns zu identifizieren mit einem Gedanken, der schnell zu einem Glaubensmuster werden kann, wie z. B. wir seien nicht gut genug oder wären nicht liebenswürdig. Was andere tun, sagt viel über sie aus, aber nicht darüber, wie wir im Angesicht dessen unser Leben fortsetzen. Sich blockieren zu lassen, durch vergangene Ereignisse, bleibt eine bewusste Entscheidung: nämlich unsere. Wir haben stets die Wahl.

 

2. Wunden dürfen heilen

Wir entscheiden auch darüber, wem wir verzeihen, damit wir positiv in unsere Zukunft blicken können. Das heißt nicht, dass wir vergessen oder die Ereignisse bagatellisieren, sondern vielmehr, dass wir den Fokus auf neue, positive, heilende Erfahrungen legen – auch, wenn das bedeutet, dass diese ohne den verletzenden Menschen stattfinden. Wir dürfen heilen und wir dürfen Freude und Liebe erfahren: Das hat nichts mit der offenkundigen Erlaubnis eines anderen zu tun, noch sollten wir uns gegen neue, bessere Erfahrungen sperren. Tun wir das, dann leistet uns Angst vor einer weiteren, verletzenden Erfahrung Gesellschaft. Doch diese hat wenig mit der Realität zu tun. Sie basiert vielmehr auf der Erinnerung an eine Enttäuschung.

 

3. Erkenne den Sinn hinter deiner Angst und anderen Gefühlen

lektionen des lebensEine jede Enttäuschung schenkt uns wertvolle Lehren, so schmerzhaft sie auch sein mögen. Gleichsam erlaubt sie uns, unser Denken, Fühlen und Handeln neu auszurichten, an der Realität und unseren Werten, wie wir unser Leben leben möchten, was wir verklärt oder verkehrt sehen.

Der Sinn hinter einer jeden Angst ist noch immer, uns wachzurütteln und aufmerksam zu machen, auf 1) was wir im Außen ändern sollten, weil es uns blockiert und schmerzt und 2) was in uns selbst blockiert. In der Psychologie spricht man von einem sekundären Krankheitsgewinn. Damit ist gemeint, dass jede Angst und psychische Krankheit uns auch einen Nutzen schenkt, zum Beispiel nicht in ständiger Angst vor einem Verlust, einer Ablehnung zu leben. Sie schenkt uns damit die Abwesenheit eines Schmerzes. Aber sie bringt auch einen neuen. Denn alles, was wir tun oder nicht tun, hat auch für uns (und unser Umfeld) eine Konsequenz. Welche schwerer wiegt und welche wir besser tragen können, entscheidet darüber, was wir tun und was wir lassen. So sabotieren wir uns.

 

4. Ein Mensch ist ein Mensch und definiert keine anderen

Selbst, wenn es mehrere Menschen waren, die uns verletzten, sagen wir z. B. Partner, die wir hatten: Jemandem eine so große Macht über unser Leben und unsere Zukunft zu geben, ist unvernünftig. Damit nehmen wir uns unsere Selbstwirksamkeit, unsere Würde, unsere Lebensfreude und versagen uns selbst das Recht auf Glück und Erfüllung. Wir liefern uns stattdessen einer kindlichen Wehrlosigkeit aus und hoffen darauf, dass irgendwann ein Mensch vorbeikommen wird, der es wieder richtet, es wieder gut macht. So entstehen Beziehungsdramen und neue Enttäuschungen. Wir können uns durchaus auf unser Erwachsensein besinnen und uns klarmachen, dass es an uns liegt, unser Leben in die Hand zu nehmen und es zu gestalten. Was wer auch immer getan hat bzw. unterließ: Dieser Jemand ist kein Richter und kein Henker. Doch unsere Gedanken und Gefühle haben die Macht, ihn dazu zu erheben, statt uns selbst.

 

5. Loslassen lernen (besonders die eigenen Glaubensmuster)

Alle Verletzungen bleiben am Ende des Tages eine Erfahrung. Wie viele Menschen kennst du, die bislang keine Enttäuschungen erlebt haben? Wie viele Menschen kennst du, die niemals verlassen wurden, niemals jemandem wehgetan haben und niemals Angst oder Traurigkeit gefühlt haben? Jedes Leben ist bepackt mit Höhen und Tiefen. Wir müssen verzeihen lernen, denn nur so können wir uns von den Fesseln der Vergangenheit lösen. Einige der verletzenden Menschen hatten bittere Lektionen im Gepäck, welche, die wir nicht verdient hatten. Was machst du mit deinen Erfahrungen? Nimmst du sie als deine Erweiterung auf? Identifizierst du dich mit ihnen und korrigierst dein Selbstbild ins Negative? Wir können Erfahrungen bloße Erfahrungen sein lassen, unsere Gedanken und Gefühle sein lassen, was sie sind, ohne sie zu glauben. Die Wissenschaft hat das mehrfach bewiesen.

Ein wunderbares Buch, um dich von deinen festsitzenden Blockaden und Glaubensmustern zu befreien, ist zum Beispiel Dr. Joe Dispenzas “Ein Neues Ich”. Eine unbedingte Buchempfehlung für alle, die glauben, schwerwiegende Gedanken und Gefühle nie wieder loswerden zu können. Bewahren wir schlimme Ereignisse in unserem Kopf auf, ist es, als würden wir sie in eine Schachtel – wie wertvollen Schmuck – legen. Wir hüten sie und sorgen so dafür, dass unsere Erfahrungen lebendig bleiben. Was Joe Dispenza in seiner leicht verständlichen Art aufzeigt, ist, dass wir so in der Vergangenheit haften bleiben (mit unserem Körper) und für ihn (unseren Körper) jedes Mal aufs Neue diese alte Erfahrung durchspielen und erleben, als geschehe sie in diesem Augenblick. Loslassen hingegen beginnt mit neuen Gedanken.

 

6. Positive, sensible Menschen “sammeln”

In einem Umfeld, in dem man krank oder stark verwundet wurde, kann man nicht heilen. Sollte die Verletzung daher stammen, helfen – wenigstens kurzzeitige – gänzliche Abnabelungen.

Gesund ist es immer, wenn du dir Freunde, Familienmitglieder, Gleichgesinnte, Therapeuten, Coaches oder andere suchst, die deine Verletzungen verstehen. Sie geben dir das Gefühl, dass deine Gefühle okay sind. So musst du dich weder schämen noch deine Empfindungen bagatellisieren. Wenn deine Verletzungen schmerzen, kannst du es zeigen, statt sie zu verdrängen. Allein diese positiven Menschen vermögen es, dir wieder neues Vertrauen in Menschen und dich zu schenken. Menschen hingegen, die deinen Schmerz oder deine Erfahrung nicht kennen oder nicht verstehen (wollen), eignen sich wenig – besonders, wenn sie dir deine Gefühle und Gedanken absprechen wollen, du dich “zusammenreißen” sollst oder “darüber hinwegkommen” kommst. Sie werden ihre Vorzüge haben, die du in stabileren Zeiten genießen kannst. Doch diese Menschen “arbeiten gegen” dein aktuelles Ziel und machen die Grundlage nur brüchig.

 

7. Bedürfnisse erkennen und Grenzen setzen

  • Was bedeutet dir etwas?
  • Was willst du unbedingt in bestimmten Situationen für dich erfüllen?
    • Wut rauslassen, dich zugehörig fühlen, Schmerz vermeiden?
    • Bist du für andere Menschen da, in der Hoffnung, dass sie für dich da sein werden?
    • Liebst du, auch wenn es unsinnig erscheint, Menschen, die dir wehtun, trotzdem aus vollem Herzen?
    • Drängst du dich in der Gruppe selbst in den Hintergrund, um andere entscheiden zu lassen, dich rauszunehmen und keine Verantwortung tragen zu müssen?
    • Oder bist du eher darauf aus, im Vordergrund zu agieren, aus Angst, dass du sonst überrannt oder übersehen wirst?
  • Was könntest du dir nie verzeihen?
  • Woran denkst du täglich?

Wir alle haben unbewusste und bewusste Motive, die uns leiten und anziehen, von denen wir uns etwas versprechen, weswegen wir handeln. Zu ihnen allen gehören Grenzen, die es zu wahren gilt, aber die nicht jeder sofort erkennt. Wenn du deine Grenzen jedoch nicht einmal selbst kennst, kann es schnell zu Enttäuschungen kommen. Stattdessen lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dich selbst, am besten bewaffnet mit einem Blatt Papier, auf dem du niederschreibst, was ein absolutes No-Go ist. Wann immer jemand vor deiner Wand steht und kurz davor ist, diese einzurennen, weise ihn auf deine Grenzen hin. Wann immer du selbst deine Bedürfnisse, Werte und Grenzen ignorierst, tue dasselbe. Mitunter brauchen wir mehr Erinnerung an unsere Grenzen als so manch anderer.

 

8. Deine Selbstwirksamkeit in Besitz nehmen

dir selbst vertrauenWir sind alle erwachsen. Da gibt es kein Wenn und kein Aber, keine Ausreden und keine Schuldzuweisungen an andere. Wir sind diejenigen, die entscheiden, was wir tun und was nicht. Selbstwirksamkeit ist damit jedem eigen und jeder kann sie zu jeder Zeit in Besitz nehmen. Wir können mit Menschen sprechen, Kompromisse suchen oder uns abwenden, wenn eine andere Lösung weniger verspricht. Kein “Es geht nicht!” und kein “Wenn das nur so einfach wäre!” würde entschuldigen, wenn du dein Leben in die Hände anderer gibst oder keine Grenzen setzt bzw. sie selbst überschreitest oder es anderen erlaubst.

Seien die Umstände noch so dramatisch: Es gibt Menschen, die helfen können und werden, Wege, die du noch nicht durchdacht hast, Unterstützung in Form von Therapeuten und anderen, falls es eine besonders schwere Situation ist. Vor allem gibt es Schritt für Schritt und Stück für Stück. Keine Veränderung muss von Jetzt auf Gleich geschehen. Auch die Menschen im Umfeld können durch schrittweise Veränderungen in eine Gewöhnung geführt werden. Verbiete dir alle Ausflüchte, die dir vermeintlich helfen können, wenn sie dich doch nur blockieren. Vertraue auf dich und das, was du kannst. Oder erinnere dich neu daran, was du alles kannst und schon in deinem Leben geschafft hast. Und sollte es so sein, dass hier wenig unter dem Strich steht: Erlaube dir die Erfahrung, dass du neu anfangen kannst und alles, was bislang nicht erreicht wurde, nachgeholt werden kann.

 

9. Das Leben rächt sich ganz allein

Die meisten verlieren ihr Vertrauen, weil sie bitter von jemandem enttäuscht wurden. Sie lernten daraus, wozu sie selbst oder andere (nicht) imstande sind. Sie halten das Ereignis in Erinnerung, um sich vor neuen, schmerzhaften Erfahrungen zu schützen. Sie sind so tief getroffen, dass sie am liebsten vergelten möchten, am liebsten diesen Schmerz teilen wollen. Sie ertragen weder die Hilf- und Wehrlosigkeit noch die Folgegefühle der Angst, Traurigkeit, Scham, Schuld, Wut, Entsetzen, Misstrauen und mehr. Einen Rat, den ich mit 20 bekam, gebe ich immer wieder gern weiter: Verschwende deine Zeit nicht mit Rache. Das Leben rächt sich von ganz allein.

 

10. Halt und Geborgenheit, Sicherheit und Wert

Was in deinem Leben gibt dir Halt und lässt dich sicher, geborgen und wertvoll fühlen? Es müssen keine Menschen sein. Auch Tiere, Kontakt zur Natur, Musik, Literatur, Kunst oder sonstiges wie Hobbys oder Leidenschaften – vom Kochen bis hin zu Sport – kann dir neues Vertrauen schenken. Solche “Reichtümer” im Leben vermögen es auch, dir neue Kraft zu spenden und dir zu zeigen, was du kannst, wozu du fähig bist, was du liebst – sodass du dich fühlst. Sorge für positive Gefühle und erinnere dich an jene Wohlgefühle – nicht nur, wenn es gerade bergab geht. Halte diese Hobbys/Leidenschaften/etc. in Ehren und pflege sie. Kontere mit ihnen, falls negative Gefühle hochkommen. Das lenkt deine Aufmerksamkeit auf das Gute in deinem Leben. Je mehr du davon hast, umso leichter wirst du wieder Vertrauen schöpfen können.

Vertrauensvolle Grüße,
Janett

 

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