Angst ein normales Gefühl wie Traurigkeit, Freude, Überraschung auch. Sie ist Teil unseres Reptiliengehirns aus Steinzeiten und hat eine klare Funktion: achtsam gegenüber Gefahren zu sein und sein Überleben zu sichern. Doch wann ist Angst nützlich und normal und wann wird sie krankhaft? Pathologische, übermäßig hohe Angst bringt viele Nebenwirkungen mit sich: Schlaf- und Verdauungsstörungen, latente Unruhe, Juckreiz, Panikattacken, Herzrasen bei Angstzuständen – bis hin zu Vermeidungsverhalten. Nur ist nicht alles, was wir aus Angst vermeiden, auch eine potenzielle Gefahr für unser Leben. Vermeiden wir über einen langen Zeitraum unbequeme, angstbesetzte Orte, Personen und Verhaltensweisen mit einem unsicheren Ausgang, das selbst dir als Einschränkung vorkommt, kann man von einer Angststörung sprechen.

Mehr darüber im aktuellen Post.

Was ist “normale” Angst? Wie definiert man sie?

Dem einen wird angst und bange bei Clowns, den anderen, wenn sie nachts durch leere Straßen gehen. Die meisten fürchten sich vor sog. verständlichen Angstauslösern wie Ekelerrengendes, Schauriges, Armut, den Verlust eines Jobs oder Menschen durch Krankheiten, Tod – alles im „normalen“ Maße. Es bremst sie aber weder im Alltag aus noch beschäftigt es sie so sehr, dass sie handlungsunfähig würden bzw. ihre Selbstwirksamkeit verlören. „Normale“ Angst kommt und geht und wird oft nur ausgelöst durch ein Ereignis, Gespräch usw. Doch die angstbasierten Gedanken bleiben nicht 24/7. Man kommt mit dem Gefühl zurecht, denn es weicht.

Als normal gilt, was verständlich ist, angemessen, nachvollziehbar, weil gesellschaftlich legitim und anerkannt (weil bekannt). Einige Ängste haben es (leider) geschafft, den Status „normal“ zu erhalten, obwohl sie laut Psychologie einen Krankheitswert erkennen ließen, wenn man genauer hinsieht. Aber weil wir nicht 24/7 mit Gewittern, Spinnen & gefährlich wirkenden Hunden oder Spritzen zu tun haben bzw. ständig in Flugzeugen oder auf 1.000 m Höhe sind, gelten diese Ängste als “nicht weiter schlimm” – obwohl sie zu den spezifischen Phobien zählen (und oft ein Vermeidungsverhalten nach sich ziehen).

Wann spricht man von einer Angststörung? Welche Angst ist krankhaft?

Als nicht normal, pathologisch erhöht, krankhaft und behandlungsbedürftig gilt Angst daher, wenn sie für dich bedrohlich ist und dein Leben nachhaltig negativ beeinflusst. Eine Angststörung könnte auch vorliegen, wenn:

  • sie deine Lebensqualität, Bewegungsfreiheit … einschränkt
  • du Angstauslöser vermeidest (Vermeidungsverhalten)
  • du eine Angst vor der Angst entwickelst
  • du mind. 3/4 des Tages an die Angst denkst
  • sie Beziehungen gefährdet (auch berufliche & gewünschte)
  • du sie mit Suchtmitteln kompensierst (Alkohol, Drogen …)
  • du depressive Symptome und/oder Suizidgedanken wegen ihr hast/entwickelst.

Das Deutsche Ärzteblatt kategorisiert Angststörungen in Anlehnung an den ICD-10, die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz ICD, englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) wie folgt:

Quelle: Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 611-20; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0611

Wusstest du…? Interessantes über Angst und Angststörungen

In Familienstudien zeigte sich, dass “Angehörige ersten Grades von Panikpatienten” ein bis zu 5-fach erhöhtes Risiko aufweisen, an einer Panikstörung zu erkranken. Eine ähnliche sog. “Familialität” zeigte sich auch bei der generalisierten Angststörung und spezifischen Phobien (Tiere, Objekte, bestimmte Situationen usw.). Zu 30-67 % können Angststörungen erblich bedingt sein. Das Lernen von Bewältigungsstrategien, der Aufbau eines sicheren Bindungsstils und unterstützende, positive Erfahrungen sowie ein positives, bindungssicheres soziales Netzwerk helfen selbst dann, wenn Familialität vorliegt. (Quelle: Quelle: Ströhle A, Gensichen J, Domschke K: The diagnosis and treatment of anxiety disorders. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 611–20. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0611)

Muss man eine Angststörung behandeln lassen?

Eine Angststörung unbehandelt zu belassen, erhöht die Wahrscheinlichkeit (wie bei anderen Störungsbildern auch), dass sie schlimmer wird. Die Forschung hat gezeigt, dass sich durch Angststörungen weitere Krankheitsbilder (z. B. Depression) entwicklen können. Hilf dir selbst und lass dir von einem Therapeuten/einer Therapeutin oder Heiler deiner Wahl helfen, deine Angst zu überwinden. Lass nicht zu, dass sie dein Leben einschränkt. Trau dich, du zu sein und dein Leben zu leben. Aber am wichtigsten: Gib nicht auf. Nie. Egal, welcher Arzt deine Angst unheilbar nennt, egal, was es kostet, wer dich versteht und wer nicht, egal, wie lange du brauchst. Es ist dein Leben. Dein Weg. Dein Tempo.

ideen, um angst und panik aufzulösen

Oft werden Angststörungen in einer Verhaltenstherapie therapiert. Andere Betroffene wähl(t)en eine Psychoanalyse oder Gesprächstherapie (wie ich). Meine Meinung ist: Probiere solange aus, was dir guttut und dir hilft, bis du gefunden hast, was für dich wirkt. Es gibt viele Therapieverfahren/Methoden, von denen mir angsterkrankte Menschen erzählten, dass sie ihnen halfen (isoliert oder als Ergänzung):

Mir half eine Verbindung aus vielem:

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Ratgeber Selbsthilfe für Frauen mit Angst
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