Man sollte meinen, dass es mehr Frauen als Männer sind, die mich um Rat und Tipps in der Liebe bitten. Aber dem ist nicht so.

Es herrscht noch immer ein- und dasselbe Vorurteil mit der großen Frage: Lieben Männer genauso wie Frauen und leiden sie ebenso? Meine Erfahrungen zeigen, ja: egal, in welcher Schublade sie stecken, die Frauenzeitschriften für sie gebaut haben. Sie meinen zu wissen, welche Männer Machos, Paschas, Metro-Sexuelle und Softies sind. Die Cosmopolitan machte sogar die Kategorie des “Beta-Mannes” auf: Das ist der Typ Mann, der eine emanzipierte Alpha-Frau ihre Stärke lässt. Doch dieses Schubladendenken scheint den Männern zunehmend Schwierigkeiten zu bereiten. Wollen Männer überhaupt noch die alten Klischees und Rollen erfüllen, um „wie ein Mann“ zu sein? Und wann ist ein Mann ein Mann?

Ein auf wahren Begebenheiten basierender Artikel über Männergefühle und Gedanken über Frauen, die sie der Welt gegenüber verheimlichen.

 

Leiden und lieben Männer weniger als Frauen?

Ich habe in den vergangenen Monaten mehr Zuschriften von Männern mit Liebeskummer bekommen als von Frauen. In den E-Mails der Männer ging es aber nie um Geld oder ein Luxusproblem und auch nicht um Selbstverwirklichung. Es drehte sich immer um ihre Beziehungen, eine unerwiderte Liebe und eine Frau. Und ihre Enttäuschung. Ihre Erfahrungen zeigen: Mitunter lieben Männer sogar stärker als Frauen und leiden mindestens genauso:

Markus litt erheblich unter seiner ehemaligen Beziehung. Er war frisch mit dem Studium fertig, fand jedoch – wie so viele Berufseinsteiger – nicht sofort eine Anstellung. Er blieb eine Weile arbeitssuchend, bewarb sich und versuchte alles, um Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Währenddessen begann seine Partnerin sich unwohl zu fühlen. Sie fand, dass er „kein Mann“ wäre, wenn er Zuhause sitzen und arbeitslos sein würde. Ihre Unzufriedenheit und Erwartungshaltung in Bezug auf den beruflichen Status eines Mannes verleitete sie dazu, mit ihrem Chef fremdzugehen. Markus fand es heraus, doch sie zeigte nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Stattdessen zog sie aus.

Mit dem Auszug löste sich seine Blockade, als hätte sein Herz und Verstand absichtlich eine Anstellung verhindert, nur um ihr Bild eines „Mannes“ nicht erfüllen zu müssen. Trotzdem litt er nach der Trennung  unter großen Selbstwertproblemen. Bei jeder neuen Frau, die er kennen lernte, hatte er die tiefe Angst, wieder abgelehnt zu werden, nicht zu genügen, nicht „Mann genug“ zu sein. Das verhinderte vielversprechende Beziehungsanfänge bereits im Keim. Denn er hatte stets große Bedenken, wenn er meinte, er würde „zu viel“ geben und zu wenig zurückerhalten und gab daher vorsichtshalber erst einmal nichts. Nur Forderungen an die Frauen, wie er heute weiß, davon hatte er ausreichend. Er machte es seiner Verflossenen unbewusst nach, als würde er ihr still hinterherrufen: „Ich hatte auch Bedürfnisse!“

maenner-sind-oft-unzufriedener-in-beziehungen-als-frauenTief in ihm glaubte er auch, dass diese zu 100 Prozent erfüllt werden müssten, damit er sich wohlfühlen könnte. Während er jedoch vorher der fürsorgliche und liebevolle Partner war, wandelte er sich nach der Beziehung ins Gegenteil. Das war eine Erinnerung an ihn selbst: „Verbieg dich nie wieder für eine Frau.“ Alle Bedürfnisse einer jeden Frau an seiner Seite, insofern sie „sein Programm“ störten, waren ihm gleich. So sehr hatte er sich darauf konzentriert, aus Angst, erneut verletzt zu werden, nie wieder Kompromisse einzugehen. Er hatte in seiner Ex-Partnerin eine gute Meisterin in “Sachen Liebe” gefunden: Um seine Angst vor Selbstverlust und Trennung abzuwehren, verhielt er sich nun so, wie sie damals. Er vergaß, dass zu einer zufriedenen Beziehung zwei Menschen gehören und war mitunter emotional nicht verfügbar.

Als sich (wieder) eine neue Bekanntschaft von ihm trennte, eben weil sie sich unbeachtet in ihren Bedürfnissen fühlte, weinte er stundenlang. Es war eine Mischung aus der damaligen Trauer, die er nicht richtig verarbeitet hatte und der wiederholten Enttäuschung. Aber er sah nicht, dass es Angst war, die ihm im Weg gestanden hatte.

 

Also lieben Männer wirklich

Erstens lieben Männer genauso wie Frauen. Sie leiden auch ebenso schwer. Das ist Tatsache, weil menschlich. Doch angeblich seien sie es, die immer kriegen, was sie haben wollen, wann immer sie es wünschen, während ihnen keine Ablehnung oder Kritik, Trennung oder Scheißtage etwas anhaben könnten. Sie bräuchten keinen Schutz, keine Fürsorge und nicht noch mehr Aufmerksamkeit. Sie hätten ja ohnehin alles, was Frauen fehle. „Die frühe Frauenforschung war von der Annahme geleitet, dass der Umstand, sozial benachteiligt und unterprivilegiert zu sein, Frauen…miteinander verbinde und eine Gemeinsamkeit der (Unterdrückungs-)Erfahrung zur Folge habe.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

was-maenner-wirklich-wollen-der-starke-mann-hat-ausgedientIch kenne sowohl Männer, als auch Frauen, die Menschen „verbrauchen“. Dann schmeißen sie sie in die Ecke, verlassen sie und geben ihnen zum Schluss noch die Schuld dafür, dass die Beziehung zerbrach oder keine Chance hatte, eine werden zu können. Mit Liebe hat das in den Augen vieler nichts zu tun. Liebe ist es auch nicht, was diese Menschen suchen.

(Auch sie wurden enttäuscht, weshalb das sicher nur ein Schutzmechanismus ist.)

Es ist auch lange vorbei, dass Männer diejenigen seien, die nur den Spaß und das Oberflächliche suchen würden. Mindestens Berlin, und ich mutmaße kühn, dass das auf alle Großstädte zutrifft, ist überfüllt mit Frauen, die sich nehmen, was sie wollen, und Männern, die sich zwischendrin verlieren oder um ein Leben, wie sie es wollen, kämpfen. Doch wie Willems in seinem Werk anmerkt, rührt das Selbstverständnis eines Mannes aus seinem sozialen Umfeld her, und das, was es von einem „Mann“ und einer „Frau“ erwarte. Wir werden also zu dem, was wir lernten, zu sein. Wenn ein Mann in einer traditionellen und konventionellen Familie aufwuchs, dann wird er diese Rahmenbedingungen wahrscheinlich im Erwachsenenleben fortsetzen. Wenn er mit ihnen einverstanden ist…

Diese „typischen“ Rahmenbedingungen werden sowohl in den Medien, im Job und in traditionsreichen Umfeldern ordentlich aufrechterhalten. Doch wie das Beispiel meines Freundes zeigt, leiden Männer mindestens genauso stark. Sie denken genauso viel nach und fragen sich ähnlich grüblerisch, ob und was sie falsch gemacht haben, welcher Schritt jetzt der Beste ist und ob sie sich überhaupt bewegen sollten.

unzufriedene-maenner-in-beziehungen-gefangenKlaus klagt seit Jahren: Er ist unzufrieden in seiner Beziehung, aber fühlt sich aufgrund dem gemeinsamen Kind, Hund, Haus und Hof hoffnungslos abhängig. Würde er seiner Partnerin sagen, dass er sich ein anderes Leben wünscht, ohne sie, hieße das in seinen Augen: Schuld. Er wäre schuld daran, dass sie in dem falschen Glauben lebte, alles sei in Ordnung. Er wäre schuld daran, dass ihre Wahrheit sich als Lüge entpuppen würde. Er wäre schuld daran, ihre Jahre und Mühe verschwendet zu haben, und nun ohne ihn dastehen und zurechtkommen müsse.

Statt jedoch eine Kommunikationsbasis zu suchen, Wünsche oder Forderungen auszusprechen, ging er regelmäßig fremd. Bei seiner jeweiligen Geliebten fand er ein Stück Privatsphäre und Ruhe, in Verbindung mit dem Gefühl, begehrt und gesehen zu werden, mit Selbstausdruck und ein paar Stunden der Gewissheit, dass das Leben mehr bot, als das, was er tagtäglich erfuhr. Ironischerweise machte es seiner Partnerin wenig aus, dass er so oft und regelmäßig untreu war. Ihr war nur wichtig, dass der Anschein eines glücklichen und zufriedenen Familienlebens mit intakter Partnerschaft aufrechterhalten blieb, und sie nicht zu viel von seiner Untreue mitbekam. Solange er mit ihr zusammenbleiben wollte, trug sie stillschweigend seine Geheimnisse. Obwohl er gelernt hatte, dass sie sich betrügen ließ und dennoch bei ihm bleiben wollte, hatte er große Schwierigkeiten mit ihrer geringen Selbstachtung. Er versteht bis heute nicht, wieso er bleiben soll. Aber er bleibt.

Viele der Männer, die ich kenne oder mir von ihren Leben berichten, scheinen nach wie vor Angst zu haben, zu ihren Gefühlen zu stehen und sie auszudrücken. Damit meine ich jene Gefühle, die nichts mit dem offiziellen und größtenteils schwächeverneinenden Klischee eines Mannes zu tun haben. Besonders, wenn es um unerfüllte Bedürfnisse in ihrer Partnerschaft geht, schweigen sie eher und schneller. Damit ist nicht nur Sex gemeint, sondern vor allem das Gefühl, gewollt zu sein, während sie Anerkennung ihrer Individualität erfahren. Doch sie verzweifeln oft an den Bedingungen der Gesellschaft und denen ihrer Partnerinnen, gar nicht so sehr am Alltag – ein Aspekt, den uns die Medien wahr machen wollen. Sie fragen sich, was und wie sie etwas tun sollen, um das Gefühl der emotionalen Stabilität und Sicherheit zu bekommen, das sie sich wünschen, während sie das offizielle Bild eines Mannes, des Ernährers, des Stärkeren, des besten Freundes, des guten Vaters usw. versuchen zu erfüllen. Sie sehnen sich nach der Rollenerfüllung nicht nur, um in die Gesellschaft zu passen. Sie sehnen sich auch danach, weil es noch viele Frauen gibt, die genau das wollen. Erfüllen sie die offizielle Rolle plötzlich nicht mehr, könnten alle Fäden zu reißen beginnen.

 

Auch einmal schwach sein und dürfen

„In dem Maße, in dem der Mann faktisch zum (Haupt-)Ernährer der Familie wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er ein darauf zugeschnittenes Selbstverständnis entwickelt.” (vgl. Willems 2008, S. 642) Was aber, wenn sich dieses Verständnis für Männer gar nicht mehr tragen und verwirklichen lässt? Was geschieht mit den Männern, die die offiziellen Rollen einer Frau und eines Mannes abzulegen versuchen und gleichzeitig dabei scheitern? Oder:

Was geschieht mental in einem Mann, wenn er sich zwischen dem Offiziellen und dem Eigentlichen gefangen fühlt und keine Auswege mehr sieht, um sich selbst zu fühlen, während er die Ziele seines Umfelds verfolgen soll, um niemandem Angst zu machen?

lieben-maenner-weniger-als-frauen-2Tim, ein junger und erfolgreicher Angestellter einer gut bezahlten Branche verbrachte seine Tage mehr im Büro als in seiner 1-Zimmer-Wohnung. Er hatte über die letzten Jahre mehrere Bekanntschaften gemacht, aber sie gingen genauso schnell, wie sie kamen. Nur eine Frau hatte er sprichwörtlich zweimal im Leben gesehen. Sie verband derselbe Freund, trotz unterschiedlicher Freundeskreise und Wohnorte. An zwei Geburtstagen traf man sich, mochte sich und verbrachte eine schöne Nacht miteinander. Beim ersten Treffen war er derjenige gewesen, der nicht mehr gewollt hatte.

Nun – beim zweiten Treffen – plante er ihren Zusammenzug, ihre Heirat und baldige Familienplanung – jedoch ohne ihre Teilhabe. Sie blieb still, beobachtete ihn und wunderte sich von Stunde zu Stunde mehr. Während er sie weder gefragt hatte, wie es ihr ging noch wie ihr Leben aussah, stellte sie fest, dass er mehr irgendjemanden wollte als sie. Er jagte – panisch – seinem Traum eines konformen und erfolgreichen Lebens hinterher. Als es etwas zu bunt in ihren Augen wurde, machte sie ihm klar, wie sie die Angelegenheit einschätzte. Zu viel trennte sie: Kilometer, einnehmende Jobs und viele persönliche Werte und Ziele. Er hingegen war bereit gewesen, alles auf sich zu nehmen, nur um sie wenigstens einen Tag in der Woche zu sehen.

Dabei hatte er völlig übersehen, dass die vielen Jahre der Einsamkeit große Angst in ihm ausgelöst hatten. Er fühlte sich durch die Bekanntschaften, aus denen keine Beziehung entstanden war, abgelehnt. Gleichzeitig empfand er sich stereotypisiert – aufgrund seines Geldes. Doch wenn er merkte, eine wollte wegen dem Geld und dem Stand bleiben, zog er sich zurück. Seine Angst, nur ein gut aussehender und gut verdienender Lückenfüller zu sein, war genauso groß wie seine Angst vor dem Alleinsein.

 

Andere Werte, andere Männer?

Willems berichtet in dem oben genannten Buch auch davon, dass während das alte Rollenbild weiterhin vorherrsche, es sich gleichzeitig wandeln würde. Aufgaben innerhalb der Familie und Partnerschaft blieben als Selbstverständnis erhalten, während sich die berufliche Rollenverteilung zunehmend auflöse. Männer hätten eine Emanzipation erlitten. (vgl. S. 642)

Auch das Klischee, Männer würden sich nicht zurücknehmen können, sondern nur nehmen können, täuscht uns Frauen über ihre eigentliche Fürsorge und die Tatsache hinweg, wie sehr sich Männer bereits verändert haben – und weiterhin verändern. Einige passen sich bereitwillig allen neuen Bedingungen an, andere wiederum wehren sich, um ihre Bedürfnisse und Ziele zu schützen.

„Du bist nie da!“
„Wenn du mich lieben würdest, dann…“
„Nie kümmerst du dich um mich!“
„Ich muss alles allein machen!“

Das sind nur einige Sätze, die erneut uns Frauen als die Tragenden in Hinsicht Verantwortung, Pflicht und Liebe positionieren. Doch während wir uns mit den diesen Beschuldigungen einiges schönreden, existieren auch Männer, die diese anscheinend rare Fähigkeit sehr wohl besitzen.

das-klischee-eines-mannes-hat-ausgedientIch habe leider erlebt, dass viele von ihnen an Frauen geraten, die diese Eigenschaften ausnutzen – und die Männer so erhebliche Wunden erleiden. Andersherum gibt es viele Frauen, die mit diesen Sätzen völlig Recht haben. Wenige meiner Freunde haben es geschafft, eine ausgeglichene und emotional sichere Beziehung zu führen, in der beide Teile gleichmäßig geben und empfangen können – und dürfen.

Vor circa 5 Jahren war ich kurz bei einer Partnerbörse angemeldet und hatte Kontakt mit einem Mann. Wir schrieben zwei Wochen lang viele Nachrichten und lernten uns näher kennen, bevor ich ihn fragte, ob wir uns treffen wollten. Er war anfangs ängstlich, aber schlussfolgerte dann: „Stimmt, ich will ja keine Brieffreundschaft!“ Er hatte – wie so viele andere – eine Beziehung hinter sich, in der er viel gegeben hatte: von Geld über Unterstützung und emotionalem Halt während einer schwierigen Phase seiner Partnerin. Er hatte sich zurückgenommen, um ihr den Raum zu geben, den sie brauchte.

Wie sich herausstellte, brauchte sie ihren Partner, als ihre Phase beendet war, nicht mehr. Sie merkte vor allem, dass sie nun bereit war, mehr aus ihrem Leben zu machen. Doch in ihrem neuen Leben war kein Platz für ihn. Die Trennung traf ihn tief. Er hatte es als Selbstverständlichkeit empfunden, sich zurückzunehmen und einfach nur da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Er hatte gehofft, dass sich nach dieser Phase alles wieder einpendeln und sie beide zuversichtlich in ihre Zukunft blicken konnten. Er hatte geglaubt, ihr Stärke und emotionalen Halt zu geben, sei alles, was sie benötigen würde, während sie ihre berufliche Krise durchhielt. Aber er wurde bitter enttäuscht. Zwischen uns beiden entwickelte sich leider nicht mehr, aber ich erinnere mich noch, wie er sagte: „Ich werde weiter an mich glauben. Irgendwann finde ich eine Frau, der ich genüge.“

 

Genügen und gewollt sein

Diese Geschichten sind natürlich Einzelfälle und normal und menschlich. Jeder Partner macht Fehler und hat einen Anteil am Gelingen oder Scheitern einer Beziehung. Diese Beispiele aber sollen zeigen, dass es gegenteilige Verhältnisse zu dem, was viele Frauen (wenn eine Verallgemeinerung überhaupt möglich ist!) denken und glauben, durchaus gibt.

Tatsächlich gibt es diese Männer, die nicht nur genauso leiden, sondern auch genauso intensiv lieben und teilen wollen. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als anzukommen und aufgehoben zu sein, bei einem Menschen, der sie so liebt, wie sie sind – auch, wenn sie einmal schwach sind oder nicht dem typischen Ideal der alten Männerrolle entsprechen.

wenn-maenner-in-ihrer-beziehung-unzufrieden-sind-gehen-sie-fremdEinem lieben Freund ging es lange Jahre schlecht. Er hatte etliche Bruchlandungen und Ablehnungen hinnehmen müssen, Affären und einzelne Nächte mit Frauen verbracht, die sich im Nachhinein als nicht weiter interessiert offenbarten. Als er seine heutige Ehefrau kennen lernte, war er selbstverständlich vorsichtig, aus Angst, wieder enttäuscht zu werden.

Doch die Tatsache, dass sie ähnliche Ziele und Bedürfnisse hatte wie er, ermöglichte es ihnen, eine liebevolle und emotional sichere Beziehung aufzubauen. Für diese musste er zwar einiges in seinem Leben opfern, umziehen und viele, ihm liebe und treue Freunde zurücklassen. Aber die Aussicht auf das, was er die ganzen Jahre gesucht hatte, trieb ihn an. Als ich ihn neulich wieder traf, erzählte er mir, wie sein Leben heute aussah. Dabei blieb ein Satz in meinem Gedächtnis hängen, der wunderbar beschreibt, was die anderen Beispiele oben suchten, aber so sehr vermissten: „Sie ist gut zu mir.“

 

Wann ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau? Über Mythen und Definitionen

„Mann und Frau sind keine…Kategorien, es gibt weder die Weiblichkeit noch die Männlichkeit.“ (vgl. Willems 2008, S. 650)

Wir müssen alle Fernsehmythen von Sex in the City bis hin zu Two and a half Man in die Tonne werfen, denn: Meine offizielle Erklärung (wohlgemerkt meine) besteht mittlerweile darin, dass Männer nicht nur weniger Schwäche zeigen, weil es ihnen “weniger erlaubt” sei. Sie halten sich in allen “Schwäche offenbarenden” Situationen eher zurück, so auch, wenn sie psychisch angeschlagen sind.

man-426985_1280Selbst bei Ärzten und unter Freunden sind psychische Belastungen und Krankheiten erst einmal nur „Stress“, resultierend aus den Herausforderungen, denen sich Männer gegenüberstehen sehen. Selbst die Psychologie gestand ein, dass sie die männliche Depression und Angst noch viel zu wenig erforscht hätten. Die Symptome zu erkennen und zu verstehen, scheint mit dem Abtrennen alter Rollenmuster einherzugehen, als spiele ihnen das ehemalig “Starke” und “Unzerstörbare” plötzlich einen Streich. Männern ist Liebe (in jeder Form) mindestens genauso wichtig und soll als stabil und sicher erfahren werden. Lust ist nur noch ein Teil der Partnerschaft, aber nicht mehr der Wichtigste. Auch scheint es ihnen immer wichtiger zu werden, wie sie sich sehen und wie ihre Beziehungen in Wahrheit sind. Sie möchten mehr Authentizität und echte Liebe, tauschen es teilweise bereitwillig gegen jedes Opfer ein. Sie lernen sich selbst neu kennen, lernen ihre wahren Bedürfnisse und Werte neu zu entdecken und auszudrücken. Sie sind auf der Suche nach einem Weg zwischen dem, was sie sich wünschen, und dem, was sich jemand anderes für sie ausgedacht hatte.

* Meine Erfahrungen zeigen nur einzelne Fälle und spiegeln keineswegs wider, dass alle Frauen oder alle Männer so oder so seien. Aber meine Gespräche mit ihnen zeigen auch, dass es besonders häufig die Männer und Frauen trifft, die die offiziellen Muster “beherrschen”, die plötzlich nicht mehr genügen und/oder verlassen werden, wenn sie einmal sprichwörtlich “aus der Rolle fallen”.

Quellen: Willem, Herbert (Hrsg.): Lehr(er)buch Soziologie: Für die pädagogischen und soziologischen Studiengänge. Band 2, Springer-Verlag. 2008.

 

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