Über die Crux und Magie von Veränderungen

Du willst Dich “eigentlich” trennen, aber hast Angst vor dem Danach? Angst vor der eventuellen Einsamkeit? Angst davor, dass es eine Fehlentscheidung sein könnte? Angst davor, weniger abgesichert zu sein? Angst davor, keinen Rückhalt mehr zu haben? Angst davor, ohne Option dazustehen? Du willst kündigen, aber hast Angst davor, dass der neue Job noch schlechter ist? Du in der Probezeit entlassen wirst? Oder Du willst etwas klarstellen und Deine Meinung vor jemandem durchsetzen, aber Du hast Angst vor dem Konflikt? Angst vor dicker Luft? Angst vor Ärger mit jemandem? Angst vor Vorwürfen? Angst zu verlieren? Angst vor Sympathie- und Liebesentzug? Strafe?

Veränderungen machen grundsätzlich und sehr vielen Menschen Angst. Sie sind etwas Neues, das Ergebnis ist ungewiss. Wir müssen uns neu orientieren, neu erden, neu ankern, neu erschaffen. Es sind vielleicht neue Rollen, neue Aufgaben, neue Ansprüche, die an Dich herangetragen werden, von neuen Menschen, oder es sind Deine sich neu entwickelnden Ansprüche, die Du neu erschaffst. Dennoch: Trotz der Angst ist es machbar. Das Neue würde sich schleichend einstellen. Du würdest Dich schleichend auf das Neue einstellen und neue Wege im Umgang mit diesem Neuen finden.

Bei Veränderungen kommt es NUR auf Deinen Standpunkt und die Konsequenzen Deiner Ziele an. Die Wenigsten kennen ihren Standpunkt oder wären bereit, die Konsequenzen ihrer Träume zu tragen. Alles birgt Opfer. Man muss eine Tür schließen, bevor man eine andere öffnet. Und ja klar, alle wollen “irgendetwas” “mehr”. (Auch ich. Total viel. Aber das Meiste mache ich selten, weil ich es eigentlich doch nicht will. Es wäre zu früh oder zu wenig oder zuviel oder zu leer oder zu einsam… Wäre ich mit den Konsequenzen einverstanden, hätte ich schon alles umgesetzt.) Alle wollen einen besseren Job mit mehr Geld und eine bessere Beziehung und glücklichere Kinder und gesündere Familie und gesünderes Essen und ein größeres Auto und eine schickere Wohnung und und und…

Den Wunsch der Optimierung ist dem modernen Menschen inne. Das alles liegt an der überwältigenden Vielfalt an Optionen! Wir kennen die Optionen, wir sehen Menschen, die sie leben und sich verdienen oder einfach so in die Wiege gelegt bekommen haben. Wir spüren Neid, Eifersucht, Frustration, Mangel, darüber, was andere haben, darüber, was wir nicht haben, was wir nicht bekommen, was wir uns nicht nehmen. Und es wird immer irgendwelche Gründe und Ausflüchte geben, die wir finden, um unsere Verantwortung wegzuschieben und jammernd sitzen zu bleiben, um nichts zu tun, anstatt mutig einzugestehen: Ich tue/ändere nichts und lasse alles beim Altem, weil ich mir Neues (noch) nicht zutraue.

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“Viele Menschen haben Angst vor Veränderung,
Angst vor dem Neuen.
Sie haften zutiefst am Status quo an,
in dem alles vorhersagbar,
angenehm und deshalb
sicher erscheint.”

– Andrew Cohen

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WAS GENAU willst Du so sehr, dass es nur DEN EINEN WEG gibt? Nimm Dir am besten einen Zettel und Stift und schreibe anstatt “Job/mehr Geld/Beziehung/etc.” detailliert genau auf, was Du Dir wünscht. Schreib dann auf, was Du tun müsstest, um das zu erreichen. Dann höre in Dich hinein und lausche der Antwort auf die Frage: Bist Du bereit dazu?

Bei einem Jobwechsel könnte das heißen:

Du willst eigentlich einen neuen Job, aber in Wahrheit willst Du

  • mehr Geld (finanzielle Sicherheit, Luxus, …)
  • nettere Kollegen (Zugehörigkeit, Freundschaften, familiäre Bindungen, Verlässlichkeit, Gebraucht- und Geliebtwerden, Anerkennung durch Leistung, …)
  • mehr oder weniger Verantwortung (Ruhe, weniger Anstrengungen, weniger Belastungen, weniger Pflicht(gefühl),…)
  • kürzere Anfahrtswege (länger schlafen, mehr Zeit für Partner/Familie, dich, Sport, Hobbys…)
  • etc.

Wichtig bei dieser Frageart ist a) die Listung der Konsequenzen und b) die Listung der Dinge, die Dich abhalten, die Widerstand in Dir aufgebaut haben, völlig unbewusst: alte Barrieren, die noch in Dir wüten.


Wärst Du dafür bereit, die Mühen einer zum Beispiel neuen Jobsuche auf Dich zu nehmen, den alten zu kündigen, nochmal von vorn zu beginnen, neu zu lernen, Dir neuen Respekt oder Anerkennung zu verschaffen, Dich zu beweisen, in eine ungewisse Probezeit zu rutschen, mit eventuell unnetten neuen Kollegen und einem Vorgesetzten, der vielleicht ganz anders ist, ein Arbeitsweg, der 15 Minuten länger ist, für 4000 Euro mehr im Jahr?

Nimm nochmal den Zettel und Stift und frage Dich solange, bis Du die Antwort gefunden hast:

  1. Wenn der Weg frei wäre, dann würde ich…. (das Was)
  2. Wenn ich wüsste, dass mir alles einfach so gelingt, dann würde ich mich…fühlen. (besseres Gefühl)
  3. Aber wenn das so wäre, dann würde ich fürchten, dass… (eventuelle Konsequenzen)
  4. Wenn ich dieses/jenes fürchten würde, dann erinnert mich das an… (alter Widerstand)
  5. Dieses Gefühl will ich vermeiden, weil… (frühere Erfahrungen, die eines Kindes/Jugendlichen/Twens)
  6. Als Kind wollte ich immer… (kindliches Bedürfnis), aber habe es nicht bekommen, weil… (fremder Widerstand)
  7. Ich erfahre das heute genauso oder ähnlich, weil… (Widerstand) und deshalb fühle ich mich… (Mangel, Angst, Wut)
  8. Ich fühle das heute noch immer, weil… (Widerstand)
  9. Wenn ich das weiterhin fühle, dann nützt mir das etwas, nämlich… (Widerstand)

Veränderungen gehirngerecht – Wie du lernst…

Unser Gehirn ist sehr lernfähig. Wir können bis ins hohe Alter lernen und uns ändern, von heute auf morgen alles hinschmeißen und von vorn beginnen oder neue Fremdsprachen oder Wissen aneignen und Dinge tun, die wir uns nie zuvor getraut haben. Dein Gehirn kann das, wenn Du ihm erlaubst, alte Verbindungen im Kopf zu ignorieren und dafür neue Ideen, Gedanken, Prioritäten wahrzunehmen und zu verankern, diese oft genug zu denken, zu tun, umzusetzen. Alte Schuld, die Du jemandem zugesprochen hast, loslassen, sowie Deine Schuld, die Dir zugesprochen wurde, loslassen. Dadurch lernt das Gehirn. (Ich habe dazu im Artikel Selbstcoaching: Wie Du Dein Gehirn (und das anderer) austrickst ausführlicher geschrieben.)

Als Kinder lernen wir sehr schnell das Muster der Angst (als Motivator): Bei Dingen, “die man nicht macht”, lernen wir durch Angsterzeugung (durch Strafen wie Hausarrest, gesperrtes Taschengeld, Liebesentzug, Ärger, Konfrontationen mit den Eltern, emotionale oder körperliche Gewalt, auch Ohrfeigen oder stille Aggression, usw.), wie wir uns zu verhalten haben.

Wir lernen:

Aha! Wenn ich das tue, dann ist Bezugsperson A so und Person B so. Beides ist negativ für mich. Beides verletzt mich. Beides lässt mich hilflos fühlen, verlassen, allein, unliebenswert, ungeliebt usw. Also mache ich DAS nicht mehr, sondern bin ab sofort…(neues Verhaltensmuster: lieb, brav, nachgiebig, still, zurückhaltend, unbestimmend, uninteressiert, selbstlos, kalt, usw.). Dieses Verhalten verinnerlichen wir, es bleibt haften. Im späteren Leben vermeiden wir entweder diese Gefühle (aufgrund der damals erlebten misslichen Konsequenzen und der wiederkehrenden Angst spürten). Es kann auch sein, dass wir nach außen hin so tun, als wären wir lieb und brav, aber in Wahrheit, hinten herum, heimlich, manipulativ, betrügerisch tun, was wir glauben, tun zu müssen, um uns treu zu bleiben. In diesem Fall vermeiden wir, zu uns und unseren Bedürfnissen zu stehen, weil wir die Gefühle anderer Menschen wichtiger nehmen, aufgrund der Konsequenzen, die ein anderer in der Verbindung zu uns ziehen könnte.

Wir lernen auch, weil wir es ja anhand unserer Bezugspersonen sehen, wie sie glauben sich verhalten zu müssen, um etwas zu erreichen, und übernehmen Vieles davon.

Gegen Veränderungen: Wie unsere Bezugspersonen uns Angst machten

Es geht also um die Konsequenzen und um das Verhalten von uns wichtigen Personen. Beides bestimmt heimlich, unbewusst die Antworten auf die Fragen

Wie hast Du Dich (in anderen Augen) zu verhalten?

Wie glaubst Du sein zu müssen, damit…

Was glaubst Du tun zu müssen, um…zu bekommen?

Unsere Bezugspersonen sind wichtig. Der Mensch braucht Menschen. Als Baby oder Kleinkind allerdings sind wir abhängig. Als Erwachsener sind wir (hoffentlich) unabhängig und frei von Zwängen. Wenn nicht, dann hat auch das als wichtig erachtete Gründe. Bestimmte, als prägend wahrgenommene, Werte übernehmen wir bereits in den ersten drei Monaten unseres Lebens. Weitere im späteren Leben festigen sich, weil wir sehen, dass etwas (Liebe, Job, Geld, Gesundheit, Freundschaft…) auf eine vorgegebene Art und Weise funktioniert oder weil wir glauben, so würde es leichter/schneller/gar nicht funktionieren. In einigen Punkten glauben wir unseren Bezugspersonen blind. In einigen Punkten tragen wir deren Werte in uns, während wir uns schwören, alles anders zu machen als unsere Mütter, Väter, Schwestern, Urgroßeltern etc.

Man kann das in Kategorien einteilen. Auch hier kannst Du Dir auf Deinen Zettel Deine Antworten aufschreiben, als Reflexion und Selbsterkenntnis:


Kategorie Rollen: Wie bist Du eine gute Mutter/ein guter Vater? Wie ist eine gute Frau/ein guter Mann, ein liebenswerter Mensch, eine tolle Freundin, ein guter Kumpel?

Kategorie Lebensentwurf und Sinn: Worum geht es im Leben? Geht es um Sicherheit, Macht, Gehorsam, Erfolg, Unabhängigkeit, Perfektion, Reichtum, 1000% Hingabe, Fürsorge, um die anderen oder NUR um Dich?

Kategorie Berufung oder Job: Welche Qualitäten hast Du im Job zu erfüllen? Was hat der Job Dir zu geben? Gibt es Berufung? Was bist Du bereit für Karriere zu opfern? Wie definierst Du Karriere? Hast Du einen Job als Frau oder siehst Du das als Verantwortung des Mannes? (Dieses Beispiel funktioniert genauso gut andersherum.)

Alte Ängste abstellen

Es kann gut und gern geschehen, dass sich diese alten Ängste und übernommenden Werte mit DEINEN neu hinzugekommenden, erwachsenen Ängsten und Werten kappeln. Es existiert Dein inneres Kind neben Deinem erwachsenen Ich. Als gäbe es einen Streit zwischen Dir und Deinen Eltern, als würdest Du erneut, wie damals als Kind, um Deine Unabhängigkeit oder Liebe oder Vertrauen betteln, schreien oder innerlich darauf hoffen, wenn Du Dich so und so benimmst. Abstellen kann man das nur, wenn man

  1. Das Alte/Fremde erkennt und benennt. (Was kommt/kam von außen? Was wollten andere an Dir sehen?)
  2. Die alten Wünsche und die Wut, dass diese unerfüllt blieben, erkennt und annimmt.
  3. Das (erwachsene) Sein erkennt und benennt. (Was kommt jetzt aus Dir? Wie willst Du heute sein? Wie soll Deine Zukunft sein?)
  4. Was ist Dir wichtiger? (Das Fremde oder Deins? Die Vergangenheit oder die Zukunft?)
  5. Bist Du bereit, die Konsequenzen zu tragen?

Deine Wünsche durch Veränderungen umsetzen

Wenn Du bereit für die Konsequenzen bist, bist Du bereit:

  1. Dich nochmals, entgegen aller Widrigkeiten, durchzusetzen, dieses Mal zu DEINEN Gunsten.
  2. Dich notfalls von Menschen und Situationen bzw. Werten zu trennen oder aber bei Deiner Meinung zu bleiben, weil DU zu ihr stehst, daran glaubst, dafür kämpfst – mit jeder einzelnen Faser Deines Körpers.
  3. Dich von Gelerntem zu trennen, es als unwahr zu erkennen, auch wenn es noch immer Angst auslöst, und etwas Neues, etwas genauso Furchterregendes, auszuprobieren – komme, was wolle. Mit allen Konsequenzen.
  4. Du wärst damit bereit, alles an Verlust und Bruchlandungen, die kommen könnten, einzugehen, um Deinen Willen und Deine Ansichten umzusetzen und Dich von den alten Werten und der kindlichen Abhängigkeit zu Bezugspersonen, die damals existenziell waren, aber heute weniger bis gar nicht mehr, zu lösen. Lösen heißt auch: allein zu sein, eigenständig zu sein, unabhängig, nur Dich als Rückhalt und Verlass zu haben, zu handeln, für Dich in die Gänge zu kommen, zu agieren, durchzugreifen, zu Deinen Worten zu stehen, ohne, dass es einen Retter oder eine verantwortliche Person hinter Dir gäbe, die eingreift, falls etwas schief ginge.

In einigen Fällen kann es zu Konfrontationen mit dem Umfeld kommen. Aber meine Erfahrung zeigt, dass häufig rein gar nichts geschieht, was man vorher fürchtete. Nur, wer bereit ist, eventuelle Ängste aufgrund von Risiken, die man sich bewusst machen kann, anzunehmen, ist bereit für Veränderungen, die nötig sind, wenn man SEINE EIGENEN WÜNSCHE umsetzen will.

LG
Janett

Janett