Kämpfst du noch oder bist du schon?

Aufhören, Loslassen und Aufgeben ist für viele da draußen ein sehr grausames Kapitel, so wie auch für mich. Du bist ein Mensch, ich bin ein Mensch, und es gehört dazu, zu zweifeln und zu kämpfen oder sich zu bemühen, doch noch die Kurve bei etwas zu bekommen, eben nicht aufzugeben. Man bleibt in der Beziehung oder in dem Job, rackert sich ab, tut und macht. Aufgeben? Uff. Dann kommen die Zweifel, Sorgen und Angst. Doch sie sind normal. Sie sind Schutz. Das ist schwer zu glauben für die, die unter ihrer Angst leiden. Aber: Worunter leidest du wirklich? Was erschafft Leid?

 

Es ist nicht deine Angst. Du gibst dir selbst nur die Schuld.

Das ist nett, aber nicht sehr klug. Deshalb möchte ich heute ein wahrhaft großartiges Gefühl mit dir teilen:

Denn ich bin einen genauso großen Schritt gegangen, einen, den ich schon seit fast 10 Jahren gehen wollte. Ich habe etwas, für das ich lange Zeit gekämpft habe, einfach so aufgegeben. Ich habe losgelassen und mich vom Kampf und der damit verbundenen Mühe einfach befreit. In mir ist viel Traurigkeit über die Wunden, die noch da sind, über unabänderbare Prozesse und Menschen, über meinen Kampf selbst.

Aber guck’ mal an: Zack, sind die Allergien weg. Ganz plötzlich kann ich Eis essen und Fertigpizza und nix mehr mit Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit oder Proteinunverträglichkeit.

Man lässt sich selbst leiden. Der Körper trägt, was die Seele nicht tragen kann, würden die Schamanen sagen. Unser Körper ist stark, bis zu einem bestimmten Moment, in dem auch er nicht mehr kann. Das ist es, was Angst einem zeigt. Du leidest, damit andere nicht leiden müssen oder du mit deinem Leid nicht weiter umgehen musst, es verdrängen darfst.

Das ist nett, aber unklug. Unklug für dich.

 

Loslassen: Sicherheit versus Freiheit

Ich bin – als totaler Sicherheitsmensch – lange mit meiner Entscheidung herumgelaufen: Lasse ich los oder kämpfe ich weiter? Was kann ich noch verdauen, noch tragen? Noch ertragen? Ich habe fast neun Jahre hin- und herüberlegt (denn ich hasse Aufgeben, das ist für Versager, sagt einer meiner festsitzendsten Glaubenssätze):

Tue ich es?

Tue ich es nicht?

Gibt es noch Wege?

Reagiere ich nur über?

Bin ich es?

Sind es die Anderen?

Was geschieht danach?

Was wäre, wenn…

  • dann alles grausam würde,
  • es sich als Fehlentscheidung herausstellte,
  • ich meine Ziele nicht erreichen würde,
  • ich …,
  • ich …,
  • ich …

nur noch “ich” wäre? Ich kenne deine Gefühle also gut. Auch als Coach und Trainer bleibt man Mensch mit Gefühlen, die manchmal schwer und manchmal leichter fallen. Doch: “Mal gucken, was daraus wird!” sagt eine Stimme in mir. Mit “daraus” bin “ich” gemeint, als würde sich dann zeigen, was und wer ich wirklich bin, will, kann und ob meine Träume, an denen ich hart arbeiten werde, dann wahr werden.

Ich meine nicht mein Ego. Nein, mein wahres Ich.

Aber das alles nicht mit Trauer oder Angst, sondern mit tiefer Freude. Der Gedanke an meine Zukunft erfüllt mich heute, jetzt, in diesem Moment, in dem ich diese Worte tippe, für dich da draußen, dem/der es vielleicht genauso geht, mit Stolz und tiefer Demut. Mir selbst gegenüber.

Ich weiß nicht, wann ich in der Tiefe das letzte Mal so stolz auf mich war.

Denn der Schritt, der wesentliche, das Loslassen und Aufgeben von Kampf und Mühe, ist getan.

Doch: So einfach war es bis dahin nicht. Bis zu diesem Punkt, an dem ich gerade bin, hatte ich viel Angst und habe viel gegrübelt, über Lösungswege und absichernde Maßnahmen nachgedacht. Sie stimmtem mich traurig, deprimiert, wütend, ängstlich, beinahe panisch. Ich war zu sehr in meinem Kopf, eben so, wie es ist, wenn man zu viel und zu lange nachdenkt. Am Wochenende, als ich diese bedrückenden Gedankengänge nicht mehr aushielt und mich daran erinnerte, wer ich bin und was ich bislang in meinem Leben alles für Krisen überwunden hatte, passierte dann etwas Magisches:

Die Angst wich einfach für meinen Mut, meine Zuversicht, meinen Glauben. Sie machte mit ihren Dämonen Platz für mein Selbstvertrauen. 

Sie säuberte ihre Räume, völlig freiwillig, und schuf Leere. Leere für etwas Neues, für Glauben, für Vertrauen in mich und vor allem in andere Menschen, für Freude, für Optimismus und

Eigenverantwortung.

 

“Hör auf!” (Liebe Grüße,) Deine Angst

Als hätte mir meine Angst einen Zettel geschrieben, an meinen Badezimmerspiegel gepinnt und mit einem Kussmund aus billigem Lippenstift versehen, hörte ich monatelang immer wieder diese Worte. Bis ich meiner Angst tatsächlich zuhörte. Sie fragte mich – so wie ich alle Coaching Klienten immer frage (man selbst weiß ja immer mehr Rat für andere, als für sich selbst):

Was müsstest du tun, damit es noch schlimmer wird?

Meine Antwort lautet(e): Bleiben. Weiterkämpfen. Abrackern. Aufreiben. Ärgern. Leiden. Mangeln. Bemängeln. Urteilen. Beurteilt werden. Leid produzieren. Meines. Das der anderen.

Ein Jeder hat diese Seite, die nach Sicherheit schreit und sich in einigen oder vielen Momenten wenig bis gar nichts zutraut. Diese Momente der Zweifel, du weiß schon, wenn die Welt fast über dich hineinbricht und der Himmel auf dich niederprasselt. Plötzlich ist nichts mehr vertraut, nichts mehr, so wie gestern, nichts mehr so, wie man es kannte. Dann heißt es nur Durchatmen und sich besinnen. Und sogar daran muss man denken. Doch am liebsten tut man dann…nichts. Man verdrängt die Angst, lässt den Kampf um das Falsche weiter zu, man erträgt länger, man duldet Unduldbares, man belastet sich mit Fremdverantwortung, man vermeidet Eigenverantwortung, man bleibt lieber in einer alt(bekannt)en Situation, als sich der neuen Herausforderung zu stellen, man spielt lieber eine eingespielte Rolle, als sie zu verlassen und man selbst sein zu dürfen. Man erlaubt es sich nicht.

Getreu dem Motto:

 

Wenn ich nichts mache, mache ich nichts falsch.

Da waren sie wieder: die verflixten sechs Buchstaben. SCHULD.

Ich sag’ dir etwas: Nichtstun ist Mist. Nichtstun ist Verrat an dir und deinem Herzen. Es ist die Verleugnung deines Selbst, deiner Träume, deiner Werte, deiner Ziele, deiner Zukunft. Es ist verschwendetes Leben. Du übergibst deine Verantwortung für dein Handeln an jemand anderen. Dann führt dieser etwas aus, was dir nicht passt. Dann beschwerst du dich bestenfalls nur oder im schlimmsten Fall ärgerst du dich maßlos. Du hättest es anders getan, aber hast dich nicht getraut. Du hast dir nicht vertraut.

Wenn du (etwas) so bist wie ich, dann weißt du es sicher, aber du hast darunter gelitten, eine Situation oder Menschen zu verlassen.  Sich auf dich zu verlassen, dich du selbst sein zu lassen, ist schwerer, als sich zu trennen. Ob Job oder Partnerschaft, es ist immer dasselbe.

Aber wir alle haben eine tiefe Verantwortung uns selbst gegenüber. Wir tragen Verantwortung und Pflicht für das, was wir getan haben und das, was wir nicht getan haben. Wir sind nicht, so wie Antoine in Der kleine Prinz sagt, lebenslang verantwortlich für das, was wir uns vertraut gemacht haben. Jeder Mensch (insofern erwachsen) ist für sich verantwortlich und wiederum für das, was er tut und auch nicht tut. Wenn du also in einer Beziehung oder einem Job bist, in dem du unzufrieden bist oder gar leidest, erinnere dich daran:

Wenn du es nicht tust, nicht gehst, weiter leidest, bist du dennoch verantwortlich dafür. Du bist dann verantwortlich für dein Leid, dein Klagen, deine schweren Stunden, erdrückenden Gedanken, deine Angst und ja auch, deine Panik, sollte sie daher kommen.

Es ist eher wie dieser Satz von Antoine:

 

“Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen.”

Aber die Trauer ist kurz, wenn das Leid groß war. Oder gar das, was man durch sein Tun und Nichtstun erzeugt hat. Die gute Gewohnheit, oder? Was wäre man ohne sie. Sie ist so schön bequem und so leichtfertig. Leichtfertig ohne große Schritte, ohne großes Vertrauen, ohne großen Mut, ohne viel Zutun. Es ist leicht, leichtfertig zu sein. An der Oberfläche herum zu dümpeln, ohne mit Selbstvertrauen in eine Zukunft zu blicken, die vertrauensselig ist, kenne ich gut. Ich möchte dir nichts vormachen, ich kenne deine Gefühle. Ich kenne die Angst und ich kenne die Zweifel. Jeder kennt sie.

Aber an einem Punkt wirst du merken: Es geht nicht voran. So geht es nicht weiter. Du tust entweder weiter dir selbst weh oder du gehst den Schritt, eventuell anderen weh zu tun, aber dennoch wäre es eine Verringerung des Leids. Deines Leids.

Ist der Gedanke nicht schön, all das Leid abzuschalten und stattdessen Vertrauen zu entwickeln und deine Angst und gar Panik weichen zu lassen, weil du dir Weichen gestellt hast, für eine bessere Zukunft?

“Hör auf!” (sagt) deine Angst. Lass los, was dich unglücklich macht.

Ich wünsche dir viel Liebe, Zuversicht und Selbstvertrauen,
Deine Janett

Janett Menzel Angst Blog

 

P. S.: Und falls du Mut brauchst, schreib’ mir. Ich habe gerade sehr viel davon abzugeben.