Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: die Kamille. Da ich oft gefragt werde, welche natürlichen Heilmittel bei Ängsten wirken können und insbesondere, ob Kamille (Chamomilla recutitain) – sei es als Tee, Sud oder Tinktur – gegen Angstzustände und Panikattacken helfen kann, habe ich einen ausführlichen Bericht dazu verfasst. Nach mehreren eigenen Phobien und fünf Jahren Beschäftigung mit Angststörungen und Betroffenen lautet meine Antwort nämlich: Ja, bei vielen (wie auch bei mir) wirkt die Heilpflanze sehr unterstützend, denn sie gilt als angstlösend. Auch Ratgeber und Studien berichten, sie sei bestens geeignet zur Anwendung bei Stress, Unruhe, Reizmagen und -darm sowie menstruationsbedingt/hormonell verursachte Gefühlsherausforderungen wie Ängste. Wieso und wie du Kamille in verschiedenen Formen für dich verwenden kannst, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Die Wirkung von Kamille bei Angstzuständen, Stress und andere Beschwerden

wirkt kamille gegen stress und angstzustände?
Das Nervensystem liebt Kamille: Ihr wird nicht nur beruhigende und angstlösende Wirkung nachgesagt. Auch bei anhaltender Nervosität und Schlafstörungen wird sie empfohlen.

Ich erinnere mich ungern an meine Angst, aber ich weiß noch sehr genau, dass ich hochdosierten Kamillentee trank – in Massen, um die Intensität meiner Ängste zu lindern. Ohne zu ahnen, welche Wirkung den gelben Blüten bei den verschiedensten Beschwerden nachgesagt wird, trank ich ihn vor, während und nach heftigen Angstzuständen, teilweise auch abends vor dem Schlafengehen.

Kamille enthält eben den Neurotransmitter GABA, der maßgebend bei der Reduktion von Stress und Ängsten ist. Das ahnte mein Körper wohl unbewusst. Das beliebte Naturheilmittel gegen Bauchschmerzen, Erkältungen und Entzündungen aller Art ist aufgrund seines ätherischen Öls so wirksam. Es gilt daher als

  • antibakteriell
  • beruhigend
  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • geruchsmindernd
  • schmerzlindernd und
  • reinigend.

So soll die Kamille gut wirken bei

  • niedrigem Blutdruck
  • Diabetes
  • Angstzuständen
  • depressiven Verstimmungen
  • Überforderung
  • nervöser Unruhe
  • psychischen und emotionalen Stress
  • stressbedingten, nervösen Verdauungsstörungen sowie Reizmagen, Reizdarm, Blähungen, Durchfall, Verstopfung
  • Magen- und Darmschleimhautentzündungen und Magenkrämpfen
  • Candida-Entzündungen (im Mund- und Genitalraum)
  • bakterielle Hautentzündungen und -erkrankungen (äußere Anwendung) wie Akne und Wunden im Allgemeinen
  • Körpergeruch (äußere Anwendung)
  • Entzündungen der Mundhöhle, des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut
  • Erkrankungen der Atemwege (Inhalationen), besonders Rachenentzündungen, Schnupfen, Heiserkeit, Sinusitis
  • Entzündungen im Genital- und Analbereich
  • Schlafstörungen
  • menstruationsbedingter Unruhe und Angst (Sitzbäder).

Und selbst Pflanzen, so glaubte man früher, könne die Kamille heilen: Man pflanzte sie deshalb in die unmittelbare Nähe zu kranken und schwachen Pflanzen, so sehr war man von der Wirkung der Heilkraft der Kamille überzeugt.

Studienergebnisse und nachgewiesene Wirkungen der Kamille

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Besonders glücklich kann die Wirkung der Kamille bei darmbasiertem Stress, nervösen Verdauungsbeschwerden und dadurch entstehende Ängste sein. In der Psychologie ist die Existenz von darmbasierten Depressionen und substanzinduzierter Angst hinlänglich bekannt. Auch Giulia Enders verwies in ihrem Klassiker „Darm mit Charme“ darauf, dass Personen mit Reizdarm oder Darmschleimhautentzündungen übermäßig hoch von Angstzuständen und Depressionen betroffen seien. Intoleranzen und Unverträglichkeiten können ihr Übriges tun. Kamille aber verhindert Entzündungen im Körper, vermindert das Wachstum von Bakterien und wirkt auf die Muskeln im Magen-Darm-Trakt krampflösend.

Krampflösend ist Kamille auch bei Menstruationsbeschwerden. Eine Studie im Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility berichtete im Jahre 2010, dass die Studienteilnehmerinnen durch Kamillentee weniger Ängste und Stress empfanden (und weniger Krämpfe). (1)

Studien aus dem Jahr 2010 und 2017 zeigten die besondere Wirkung von Kamille gegen Schlafstörungen. In der 2010er Studie berichteten 10 von 12 Teilnehmer, schneller nach der Einnahme von Kamille eingeschlafen zu sein. Forscher fanden heraus, dass sich der Wirkstoff Apigenin an denselben Rezeptor im Gehirn heftet wie Benzodiazepin (und entsprechender Rezeptor). (3) 2017 hatten ältere Menschen Kamillenextrakt (2 x täglich, 400 mg) eingenommen. Nach nur einem Monat zeigten sie einen erheblich besseren Schlaf als Personen der Kontrollgruppe. (3) Kamille vermag zwar in der Intensität nicht vergleichbar sein mit Schlafmitteln oder Beruhigungsmedikamenten, aber wer Kamille mag, könnte sie u. a. bei Ein- und Durchschlafproblemen sowie Ängsten testhalber ausprobieren. (Bei ernsthaften und anhaltenden gesundheitlichen Herausforderungen sollte man dennoch vorher seinen Arzt des Vertrauens konsultieren.)

Mit Mutti Natur gegen unruhige und angstvolle Zeiten: So kannst du Kamille verwenden

kamille gegen angst, stress und unruhe

Viele Menschen denken, es wäre schwer oder aufwendig, seine eigenen Naturheilmittel oder Hausmittelchen herzustellen. Dabei braucht man, je nach Form, nur die Pflanze selbst und ggf. ein, zwei kleinere Beigaben, wenn es Cremes oder Tinkturen werden sollen. Wichtig zu wissen ist nur, dass die Wirkstoffe abhängig von der Form der Zubereitung beeinflusst werden. Die beste Wirkung erzielt man mit Kamille in wässeriger bzw. mit alkoholischer Zugabe als Form.

Kamille eignet sich zur äußeren und inneren Anwendung als

  • Tee (in Beuteln, fertig zubereitet)
  • Aufguss (frischer Blüten) und kräftiger, hochdosierter Sud
  • Tinktur (mit Alkohol)
  • Salben
  • Badezusätze (mit Badekamille)
  • Inhalationszusätze (am besten mit Kamillan oder Produkten mit standardisierter Herstellung für eine hohe Reinheit)
  • u. v. m.

Meine eigenen Helferrezepte (Nachmachen auf eigene Faust!)

Tees, Sitzbäder und mehr: Lose Blütenblätter sind oft alles, was du brauchst.

Tee aus Kamillenblüten (zur Beruhigung bei Stress oder zum Einschlafen): 3-5 x täglich 10-15 Gramm (1 TL = rund 1 Gramm) lose Kamillenblüten (am besten in Bio-Qualität) in ein Teesieb oder Teefilter geben und mit kochendem Wasser übergießen. 10-15 Minuten ziehen lassen und schluckweise trinken, am besten mit so viel Ruhe wie möglich.

Sitzbäder gegen Scheidenentzündungen, Krämpfe, verspäteter Menstruation und Unterleibsbeschwerden (z. B. Weißfluss): Pro 10 Liter Wasser verwende ich 50 Gramm lose Badekamille bei einer Wassertemperatur von 37 Grad Celsius für 10-15 Minuten.

Bei nervösen Magenverstimmungen und -beschwerden: 3-5 x täglich zwischen den Mahlzeiten Kamillentee aus 10 Gramm Blüten schluckweise trinken. Bei Blähungen verwende ich bis zu 20 Gramm.

Bei Nieren- und Blasenbeschwerden und zur Anregung des Stoffwechsels: 3 x täglich eine Tasse mit 2-3 Gramm losen Blüten mit kochendem Wasser übergießen, 10-15 Minuten ziehen lassen und trinken.

Fertiges Kamillan (Kamillenextrakt) gibt es natürlich auch in der Apotheke und online zu kaufen. Kamillan ist dabei wohl das bekannteste, wobei es das Produkt sowohl als Spray zur Anwendung im Rachen und der Mundhöhlen gibt, als auch als Flüssigkeit, teils auch mit weiteren Zusätzen wie Schafgarbe.

Zum Schluss: Darf jeder Kamille zu sich nehmen?

Nein. Für Präparate werden die Blüten, das Kraut und die Samen der Kamille verwendet. Kamille sollte also nicht von Personen, die allergisch auf Pollen und/oder Korbblütler im Speziellen reagieren, verwendet werden. Die Blüten können immer verunreinigt sein. Außerdem wird strengstens davon abgeraten, Kamillenpräparate im Augenbereich anzuwenden. Die sehr feinen Haare der Kamille reizen die Bindehaut zu stark, selbst dann, wenn sie höchst penibel abgeseiht wurden.

Leseempfehlungen zum Thema

Johannes Pechatschek.Kamille: Ein grosses Geschenk der Natur. Ennsthaler: 2009, 4. Auflage.

Mannfried Pahlow. Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur. Nikol: 2013.

Quellen:
(1) Chamomile Tea For Relief of Primary Dsymenorrhea. Iranian Journal of Obstetrics, Gynecology and Infertility. März 2010. https://www.researchgate.net/publication/286965003_Chamomile_tea_for_relief_of_primary_dysmenorrhea (Zugriff am 7.5.2019)

(2) Chamomile: A herbal medicine of the past with bright future. Mol Med Report. Nov 2010. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2995283/ (Zugriff am 7.5.2019)

(3) PhytoDoc-Redaktion. Kamille. https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/kamille (Zugriff am 8.5.2019)