Ich werde in letzter Zeit häufig gefragt, ob ich noch „Angst“ habe. Meine Stellungnahme und Antwort: Ja und nein.

 

Ja, ich habe Angst … so wie jeder Mensch auf dieser Welt.

Jeder Mensch hat Angst, zum Beispiel vor dem Verlust von lieben Menschen, schweren Erkrankungen, Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg, Selbstverlust, permanentes Leisten-Müssen, Mobbing, Bossing, krankhafte Eifersucht, Präsentationen, Prüfungen, nicht geliebt werden, keine Anerkennung bekommen, bestimmte Tiere, Abhängigkeit, ja sogar totale Freiheit und Unabhängigkeit, Höhen/Tiefen, Flugangst, enge Gänge, Spritzen und Blut, ausgeschlossen werden, verlassen werden, Isolation oder das Gegenteil, nicht allein zu sein usw.

Es kann mir keiner erzählen, er hätte keine Angst. Angst ist zu menschlich, zu alltäglich. Dafür glaube ich jedem, der sagt, dass er zwar Angst fühlt, aber die beängstigenden Dinge dennoch tut.

Deshalb ist auch der Name meiner Website www.Ich-habe-auch-Angst.de. Weil einfach jeder vor irgendetwas Angst hat. Niemand sollte sich dafür schämen oder tadeln müssen. Wie ich im Blogpost Schritt 1: Sag, dass du zu dir stehst schon schrieb:

 

Angst und Angststörungen sind zwei paar Schuhe.

In diesem Sinn: Nein, ich habe keine Angststörung mehr. Ich bin frei von allen Symptomen der Agoraphobie und Panikstörung.

Dieses Projekt ist eine Verfechtung des menschlichen Gefühls. Es bedarf keiner Scham oder Trauer, keinem Ekel und keiner Verachtung, wenn man Angst hat. Ich habe ein Problem damit, dass wir „Angst“ immer gleichsetzen mit ANGST in psychopathologischer Bedeutung. Dasselbe gilt für Depression, bei der es um das Gefühl Traurigkeit geht.

In meinen Augen verhält sich etwa 75% aller Angst und Panik so:

Würden wir regelmäßig unsere Gefühle herauslassen und sie uns erlauben, ginge es uns allen besser, denke ich oft. Dürften und würden wir alle ungeniert und ungehindert, frei nach Herz und Bauch, traurig sein, wenn wir es sind, und vertrauen/misstrauen – handeln/unterlassen, wie es unser Körper uns sagt, bräuchten wir viele Stress-Ängste, Angstauswüchse oder Depressiones-Diagnosen nicht. Aber wir lassen uns zu sehr vorgeben, was wir fühlen (sollen und dürfen), was wir sind, welche Krankheit wir haben.

Haben wir erst einmal eine Diagnose erhalten, werden wir plötzlich zu dem Störungsbild: Die Betroffenen bekommen sogar eigene Titel, wie z. B. Borderliner, Narzisst, Depressiver, Hypochonder. Ich warte täglich darauf, dass es irgendwann auch die Worte Panischer, Gestresster und Ängstlicher im deutschen Wortgebrauch gibt. Wir suchen so sehr nach Definition und Eigenbestimmung, dass wir jedem Dahergelaufenen glauben, besser zu wissen, was wir waren, seien oder würden…

 

Wir sind keine Maschinen. Das erlaubt uns menschliches Verhalten.

Als wären wir Maschinen und hätten vergessen, dass wir einen eigenen Kopf zum Denken und Reflektieren haben. Als würde uns jedes Gefühl gleich „stigmatisieren“ und ja, leider… abstempeln. Diese Sichtweise macht mich kirre und ich kann und will es nicht verstehen. „Ach! Guck mal da, da ist einer, der sich freut! Und da ist einer, der überrascht ist!“

Jedes Gefühl wird heute mit Pech besult. Mir gefällt diese Sichtweise nicht, denn es macht den Menschen, die gerade zu sehr unter einem Gefühl wie Angst leiden, die Tage nur schwerer. Sie fühlen sich „falscher“ und strampeln mehr gegen andere und was diese denken/wollen, als auf sich zu hören.

Wir sind keine Maschinen, wir sind Menschen mit Gefühlen. Daher macht die Verhaltenstherapie ja auch genau diesen Schritt: Sie bringt dir bei, deine eigenen Gefühle auszuhalten und mit offenen Augen zu durchleben.

Der „offiziellen“ Gangart stimmt natürlich nicht jeder zu. Es gibt mehr als Psycho & Physio, so wie es mehr als Schwarz & Weiß gibt: Eine führende Ärztin in den USA namens Dr. Lissa Rankin stieg aus diesem Grund aus der offiziellen Medizin aus und empfiehlt jeher allen Klienten, sich ihre eigene Medikation zu schreiben. Hinsetzen, in sich hineinhören (Was brauchst du? Was belastet so stark, dass… Wann treten welche Symptome auf? Was sagt dir dein Körper zuallererst, was du brauchst und was du loslassen solltest? usw.), und sich seine eigenen Gedanken über sich selbst machen. Das heißt natürlich auch, dass sich man selbst vertraut, ein wenig herumexperimentieren kann und um seine eigenen Kräfte weiß (oder es Schritt für Schritt lernt, was genauso wertvoll und wirkungsvoll ist).

Nichtsdestotrotz kann EIGENSINN mal wieder dabei helfen, sich näher zu kommen, wodurch sich Stress-Ängste oder festsitzende Traurigkeit effektiver auflösen ließen als mit jeder Pille, die nach Absetzen, nur erneute Probleme hervorruft. Ich war aber schon immer ein Gegner von Tabletten in jeder schulmedizinischen Form und weiß auch um die positive Wirkung für viele „Gefühls-Betroffene“.

Was anderes ist Panik (Furcht), Angst und Traurigkeit ja nicht: Gefühl und Emotion.

Also ja: Ich habe Gefühle und Emotionen.

Und um es mit Klaus Wowereits Worten zu sagen: …und das ist auch gut so!

Eure Janett

Janett

 

 

 

Bloggerin psychische Gesundheit

Verfasst von Janett Menzel

Autorin und Mentorin für Personen mit herausfordernden Ängsten in ihrer psychischen Gesundheit, in Liebe & Beziehung, Job & Karriere. Expertise & Forschungsfelder: Angstzustände/Panikattacken, Beziehungsängste - erfolgreiche Beziehungen, erfolgreiche Kommunikation, Gehirnforschung, Managemententwicklung, Ernährung & Hormone, Körper-Geist-Gleichgewicht, weibliche & männliche Energien, Entspannungstechniken aus aller Welt, Identitätsbildung bei jungen Menschen, Auswirkungen der Emanzipation auf das Verständnis zwischen Mann-Frau

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