Wenn wir uns mit Angst beschäftigen, denken wir oft schnell, dass diese Emotion WIR wären. Wir sagen deshalb: “Ich habe Angst!” Doch wenn wir in Dimensionen des Körperbewusstseins denken, wird der Satz erst stimmig, wenn wir sagen: „Mein Körper hat Angst.“ oder „Das macht meinem Körper Angst.“

Körperbewusstsein und Angst

Wir sind unserem Körper in unserer leistungsgetriebenen und stets sinnsuchenden Gesellschaft fremd geworden. Wir nehmen ihn nur noch wahr, wenn er ausschlägt, krank wird, überlastet oder überreizt ist und unser Geist plötzlich – Bitte? Was ist denn jetzt los? – keinen schönen Ort mehr hat, an dem er gern leben möchte. Die Hülle, die unser Leben tragen soll, mit der wir täglich in die Welt hinausgehen, wird entmachtet und als Beiwerk unseres Egos gesehen. Wir realisieren nur durch tägliche Erinnerungen an Achtsamkeit, Yoga, Sport, gesunde Ernährung, Meditation und psychische Leiden respektive deren Behandlung, dass es ihn gibt und ihm mehr Beachtung schenken sollten, damit er gesund bleibt.

Nun ist das Thema Gesundheit seit geraumer Zeit ein geraumer Graus. Denn entweder wir nehmen uns keine Zeit, um unseren Körper, die Hülle, das Gefäß unseres Lebens, gesund zu halten und erlauben uns den Gedanken: „Ach, was soll mir schon passieren!“, solange bis uns etwas geschieht. Oder wir achten bereits auf Verschiedenes, aber nur mit dem Ziel, unseren Geist für die Instandhaltung des Körpers zu nutzen, anstatt diesen mal ganz allein für sich entscheiden zu lassen.

Wer sich genauer hinterfragt, wird schnell feststellen, dass viele Entscheidungen, die wir für unsere körperliche Gesundheit treffen, sowohl halb vorgekaut, als auch halb gewollt sind. Die wenigsten Menschen erlauben sich heute noch eigene Gedanken, eigene Meinungen UND das Selbstbewusstsein, diese nicht nur zu haben, sondern sie auch noch zu äußern. So schnell verzichten wir wegen Medienberichten auf Gluten, Laktose usw. Würde in der Zeitung stehen: Soja macht dick, ist schlecht für die Umwelt und ist ungesund!, so würden sicher etliche Menschen aufhören, Soja zu konsumieren. So schnell wird unser Geist herabgestuft auf unser suchendes Ego und noch schneller wird unser Ego engstirnig und leichtgläubig. Wenn genug Enge vorhanden ist, durch das Leisten und Streben und Suchen und Finden, ist Angst nicht mehr weit:


ANGST

lateinisch: angus (dt.: Enge)


Unser Ego lässt sich viel zu viel von anderen vorkauen, statt selbstbewusst anhand Körperwahrnehmung Entscheidungen aus eigenem Antrieb heraus zu fällen. Mit Selbst-bewusst-sein meine ich nicht die landläufige Interpretation, dass man sich kennt und mag (und zu sich steht). Das Wort hält für mich die Bedeutung bereit, dass man sich seiner Selbst und seinem Sein bewusst ist (nicht nur im Allgemeinen, sondern auch im täglichen Moment) und dementsprechend lebt.

Zu einem Selbst und zu einem Sein gehört zwangsläufig ein Körper, ein Gefäß, in dem Geist, Ego, Herz und Seele wohnen können.

 

Dein Körper als (d)ein Gefäß

Als ich also letzten Sonntag auf dem Balkon stand und mir selbst bewusst werden wollte, wie sich mein Körper während des Rauchens fühlt (NICHT mein Geist, der Rauchen als Kompensation nutzt), bin ich innerlich bei jeder Zigarette zusammengeschreckt. Ich erschrak, weil meine Hände feucht wurden, mein Herz anfing zu rasen. Mein Körper wurde butterweich und hielt null Stärke mehr bereit, die ich aber glaubte durch das Rauchen herstellen und bewahren zu können. Wir alle überlassen lieber unserem Körper ungewollte Gefühle, als uns im Geist (und Ego) mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn unser Ego ist zwar mächtig, aber beizeiten auch mal ignorant und selbstgefällig.

Mein Körper signalisierte mir stattdessen, dass es ihm schlecht geht. Vor allem aber zeigte er mir ein Gefühl: Angst. Ich realisierte gleichzeitig, dass sich mein Geist ganz wunderbar fühlte, wie es bei vielen Rauchern der Fall ist. Man sucht eigentlich Verbindung, aber fühlt sich getrennt und nimmt die Zigarette als Geborgenheitsersatz. Man sucht eigentlich sinnvolle Beschäftigung, fühlt Langeweile und Unterforderung, aber greift stattdessen zur Zigarette als Beschäftigung. Man sucht Abstand zu einer Situation, einem Menschen, einem Konflikt, aber anstatt zu gehen oder sich dem Konflikt zu stellen, greift man zur Zigarette und kompensiert.

Man gibt sich und seinem Geist etwas angeblich Gutes und Erfüllendes, bereitet den Weg zur Ignoranz der eigenen Unzulänglichkeiten, und fügt dem Körper Schaden zu. (Stimme des Egos: Leere? Igitt! Lieber lass uns die Aufmerksamkeit auf alles, was gerade “schlecht” ist, lenken, damit wir uns nicht “leer/unnütz/allein” fühlen!”) Das ist es, was ich zum Beispiel tue, wenn ich eine Zigarette rauche. Gnadenlos und bedingungslos füge ich meinem Körper Schaden zu, wann immer ich etwas tue, was ganz offensichtlich gegen die Ziele meines Systems Körper – Geist – Seele ist: aber auch jede Stunde zusätzliche Arbeit, obwohl ich schon vor einer Stunde aufhören wollte, jede Stunde zu wenig Schlaf, jede fehlende Bewegung und fehlender Kontakt zu Natur, Tieren und Menschen, jede negative Windung meines Egos, was mal wieder chic erfasst hat, wie doof doch manche Menschen im Umgang miteinander sind…, aber Dankbarkeit und das Gute völlig missachtet hat. Alles das ist Schaden, der irgendwann auf den Körper übertragen wird.

Dieses Körperprinzip funktioniert nicht nur mit Zigaretten oder anderen Suchtmitteln, die Angst auslösen, wie Alkohol, sondern auch mit sozialen Medien, Fernsehen, extremen Sport, Sex, Spielen oder wuchernden Ausgleichsaktivitäten, die uns unseren Körper – gefüllt mit Gefühl – nicht mehr fühlen lassen.

Das ist das Ziel des Egos: „Ich herrsche, DU hälst den Mund und fügst dich.“ Bis der Körper krank wird, in den Gefühlen der Angst und Trauer ertrinkt und kein Entrinnen mehr weiß.

 

Dein Körper hat Angst um dich

Ließen wir aber unseren Körper zu uns sprechen, dann zeigt er uns die Wahrheit: nämlich seine Angst. Seine Angst ist dabei gleichzusetzen mit den Symptomen jeder Angst und Angststörung. Seine Angst ist vor allem das, worunter Menschen mit einschränkender, extremer Angst am meisten leiden.

Und die allesentscheidende Frage ist nicht: Wie bekomme ich sie weg? In meinen Augen ist die einzig nützliche Frage: Woher bekommt dein Körper denn Angst?

Das Ego würde antworten (so wie die Schulmedizin ebenso): Ist völlig egal. Sie muss weg. Oder meinetwegen lass sie bleiben, aber die körperlichen Symptome müssen so gefühlskalt gemacht werden, dass sie mir nicht mehr im Wege stehen.

Aber dein Geist, deine Seele, dein Herz, dein Bauch würde antworten: Ne, warte mal. Das ist nicht egal. Im Gegenteil, du machst dir ja selbst die ganze Zeit Angst! Stress und Nervenblank hier, Rechtfertigungen, Diskussionen oder innere Wutausbrüche dort, Einsamkeit statt Liebe hier links, unbefriedigender Job da drüben, und rechts noch Zigaretten, Medikamente, Alkohol, Fernsehen, schlechtes Essen, wenig Schlaf….

Nicht nur ein Geist kann Angst haben, sondern vor allem der Körper ist es, der Angst um dich und Angst um sich hat. Eingehaucht mit neuer Lebensberechtigung hielt er mir ganz seiner Selbst bewusst vor, dass er zwar ein Gefäß ist, ein leeres Glas, ein leerer Behälter für alles, was mein Geist und Ego auf“nehmen“ will, aber dass er nicht mit allem einverstanden ist. Ganz besonders dann wird er ablehnend, wenn er etwas tragen soll, worauf unser Ego keinen Bock hat.

 

Dein Körper hat Angst wegen dir

Und da wir gern vergessen, wie das System Körper – Geist – Seele funktioniert, nämlich als Gespann und Einheit, in totaler Gleichberechtigung, ist es umso wichtiger, dass wir jedem Teil seine Daseinsberechtigung im vollem Umfang geben. Ganz bereitwillig.

Was bedeutet das nun? Es bedeutet, dass wir jedem Teil des Systems

  1. seine Zeit
  2. seinen Platz (und Freiraum)
  3. seinen Wert
  4. sein Bedürfnis

erlauben und geben.

Wenn unser Körper zum Beispiel durch kribbelnde Beine signalisiert, dass er Bewegung will, dann sollte unser Geist das wahrnehmen, aber nicht etwa unser Ego entscheiden lassen, dass er lieber weiterhin auf Facebook herumsurft, statt nach draußen zu gehen und sich die Beine zu vertreten. Wenn unser Geist entscheidet, dass er statt dem verabredeten Abend mit den Schwiegereltern, Freunden oder dem stundenlangen Telefonieren wegen der Probleme eines anderen lieber Ruhe und Stille möchte, dann sollte es ihm durch uns erlaubt werden. Wenn unsere Seele nach Sinnerfüllung und nach Ästhetik, nach dem Schönen und Liebevollen (Du in voller Liebe für eine Tätigkeit) schreit, dann sollten wir sie anhören und ihr geben, was sie möchte, anstatt die Wohnung sauberzumachen, weil die Wohnung ja sauber sein muss, damit auch ja xyz nicht wieder meckert (oder die Stimme in uns selbst, die der strengen Mutti oder des strengen Papis von früher, als wir noch als Kind gehorchen mussten).

Indem wir wahrnehmen, durch Fokussierung auf einen Teil, dann den nächsten und dann den nächsten, geben wir Zeit, schaffen Platz, sehen den Wert und leben diesen aus, indem wir das Bedürfnis erfüllen.

Und plötzlich wirst du merken, wie präsent jeder Teil deines Systems ist und wie ängstlich sie sind, aber auch wie gefühl-voll, für sich allein und alle zusammen. Besonders wenn das Halbgare und Halbvorgekaute von außen als Diktat der Gesellschaft Vorrang vor dir und deinem System erhält, ist jeder Teil bereit, innerliche Explosionen wie Angstattacken oder Panik auszulösen.


Lesetipp: Panikattacken in 20 Sekunden auflösen


 

Das macht eines erneut klar: Ignorieren wir uns samt Körper – Geist – Seele (Herz, Bauch), so ignorieren wir unser SELBST, verlieren peu à peu das Bewusstsein für unser Selbst und damit den Wert (unseren Selbstwert), unser Vertrauen in uns (Selbstvertrauen) und den Glauben an die Funktionalität dessen, was unser Geist als Ausdruck unserer Seele in einem sterblichen Körper im Leben zu verwirklichen versucht.

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Liebe Grüße,
Janett

Janett

 

 

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